Zurück auf die Schulbank, mit 34 Jahren? Zum Französischlernen? Warum tut man sich das an? Ganz einfach, pour le plaîsir! Vier Wochen an die Côte d’Azur, Institut de Français. Wie man hört, eine der besten Schulen; leider ist sie auch die teuerste – gut 3000 Euro mit Frühstück, Mittagessen und Unterkunft.

Das verspricht ausgedehnte Sommerferien und Weiterbildung in einem. Besser kann man Geld nicht anlegen, sagt der Kopf. Der Bauch ist unentschlossen: Was, wenn die anderen viel besser sind? Wenn die Lust nachlässt und aus schönen Ferien Quälerei wird? Man wird sehen.

Im Gepäck nach Villefranche-sur-Mer, in dieses zauberhafte Dorf an der Bucht nahe Nizza, befinden sich außer den Strandsachen drei Lexika und vier Grammatik-Kompendien, neben Ausflugs- und Museumsführern das Notebook für die Hausaufgaben und der elektronische Übersetzer für die Hosentasche. Montagmorgen, neun Uhr, sitzen die neuen Sprachschüler mit großen Augen vor Madame Greko. Am Institut de Français ist die resolut-charmante Dame für den Unterricht zuständig. Bei der Einführung spricht sie englisch, ein letztes Mal. Dann geht es los mit dem Test, der Klasseneinteilung und der Überwindung aller Hemmungen.

1500 Vokabeln im Monat, dazu ein ordentliches Passé simple

Die Schüler werden aufgeteilt in débutants , intermédiaires und avancés . Am nächsten Tag sitzen sie im Kreis und sollen sprechen. Dabei können alle wenig. Vielleicht ein bisschen aus der Schule, aber das ist lange her. Die blutigen Anfänger sprechen kein Wort. Aber das ändert sich, die Lehrer zwingen sie. In den ersten Kreationen gestandener Geschäftsleute, Abteilungsleiter und Universitätsdozenten sind im besten Fall ein paar Verben und Pronomen, etwas Präsens und Futur, das Ganze garniert mit Kunstwörtern, englösisch und franzeutsch.

"Sprechen! Sprechen! Sprechen!", predigt Madame Greko. Es geht um die "audiovisuelle Unterrichtsmethode", die auf Hören, Verstehen und Wiedergeben basiert. Schreiben ist nicht so wichtig. Der klare Fokus liegt auf dem Alltag – gesellschaftlicher Umgang, Einkaufen, Telefonieren, sich unterhalten ohne viele Äähs und Hmms.

Von neun bis fünf schauen die Eleven Diafolgen mit gezeichneten Alltagssituationen – Einkaufen, Automieten, Telefonieren. Oder typische Morgenszenen: Aufstehen, Ankleiden und Frühstücken. Dazu läuft das Band mit typischen Sätzen auf Französisch: "Beeil dich!", "Möchtest du ein Ei?", "Wann kommst du heute Abend nach Hause?" Alle sprechen nach, bis es sitzt. Bis jeder weiß, was Seife, Waschbecken, Eier mit Schinken, Aktentasche heißt. Mitschreiben darf man nur, wenn der Lehrer es erlaubt.

In einem Monat soll in den Köpfen sein, was anständiges Französisch à l’Institut de Français ausmacht: 1500 Worte Basiswortschatz, ordentlich konstruiertes Passé simple, Futur proche und Conditionnel. Alles mutig artikuliert und professionell prononciert. Das gefällt dann auch den Einheimischen, beim Bestellen in der Brasserie oder am Fahrkartenschalter, wenn es um den Busfahrschein nach Nizza geht.