Imposanter Auftritt in Hamburgs Bürowüste City Nord. Die elegant gekleideten Herren aus Mailand wollen so recht nicht in die Gegend und schon gar nicht in den nüchternen Konferenzraum passen. Einer von ihnen rauscht direkt nach vorne zum Podium durch: Riccardo Ruggiero.

Er ist einer der Topmanager von Telecom Italia. Er reiste mit seinen Kollegen an, um der deutschen Presse die neue Strategie zu präsentieren. Der italienische Konzern hat vor kurzem HanseNet gekauft, eine der kleinen regionalen Telefongesellschaften im Lande, die ursprünglich von den kommunalen Stadtwerken ins Leben gerufen wurden. Die besondere Nähe zum Kunden ist deren Plus. Auf den ersten Blick ein guter Schachzug also, um – sozusagen ferngesteuert – in das Terrain der Deutschen Telekom einzubrechen.

Im Windschatten des Italieners nimmt Harald Rösch Platz. Er ist im hohen Norden seit Dezember vergangenen Jahres der neue Statthalter in Deutschland. Gesprochen wird italienisch und englisch. Ein "Moin, Moin", wie sich Norddeutsche zu begrüßen pflegen, klänge hier wie die Sprache einer anderen Welt. Bislang konnten die HanseNet-Chefs nach eigenem Gusto schalten und walten. "Jetzt brechen neue Zeiten an", sagt Karl-Heinz Mäver, der als einer der ersten Geschäftsführer das Unternehmen aufgebaut hat.

Ruggiero sagt, wo es künfig langgeht: Vor allem Breitband, also die superschnellen DSL-Datenanschlüsse, sollen an die Hanseaten gebracht werden. Und das noch viel rascher als bisher schon. HanseNet hat bereits gut ein Drittel des neuen Marktes in Hamburg erobert. Ruggiero will mehr, investiert 120 Millionen Euro, plant neue Angebote, optimiert Tarife, möchte den Service verbessern. Insgesamt hat HanseNet bereits gut 100000 Kunden gewinnen können, schreibt rund 100 Millionen Euro Umsatz, aber noch keinen Gewinn.

Kaum zu glauben, dass die große Telecom Italia (Umsatz 30 Milliarden Euro) mit der zwar feinen, aber kleinen HanseNet der riesigen Deutschen Telekom (Umsatz 54 Milliarden Euro) ihre Domäne streitig machen kann. Was also folgt noch? Nein, so Ruggiero, man plane keine weiteren Zukäufe in Deutschland. Man wolle sich auf Hamburg konzentrieren, vorerst jedenfalls. In Frankreich hingegen haben die Italiener gleich mehrere Metropolen im Visier. Ihre Strategie dort: Sie wollen France Télécom nicht landesweit und überall Paroli bieten, sondern nur in den Ballungsgebieten. Ziemlich bescheiden muten deshalb ihre Pläne für Deutschland an.

Dabei bietet die Bundesrepublik mit ihren vielen regionalen Telefongesellschaften jede Menge Angriffspunkte. In vielen Städten ist so ein Stadtnetzbetreiber wie HanseNet aktiv. So beispielsweise NetCologne in Köln samt Umgebung sowie Bonn oder BerliKomm in Berlin. Diese städtischen Ableger werden auch City-Carrier genannt und agieren mehr oder – manchmal auch – weniger erfolgreich. Insgesamt konnten sie im vergangenen Jahr beim Umsatz die Eine-Milliarde-Euro-Grenze überschreiten.

Wie viele andere Telekom-Rivalen beschränken sie sich nicht auf das Call-by-Call-Geschäft. Denn dort sind die Kunden flüchtig, weil sie ständig den Anbieter wechseln können. Die meisten City-Carrier offerieren deshalb – wie die Telekom – eigene Anschlüsse, hegen und pflegen also den direkten Kontakt zu ihren Kunden. Außerdem bauen sie eigene Netze aus; eine Voraussetzung dafür, mit innovativen Diensten starten zu können. "Video on demand ist beispielsweise einer davon", sagt Ruggiero.

Schon viele dieser Lokalmatadore sind längst im Besitz ausländischer Investoren. Um "gemeinsam stärker zu sein", haben sich beispielsweise in der Tropolys GmbH bereits 14 regionale Telefongesellschaften aus Nordrhein-Westfalen, dem Gebiet Rhein/Main/Saar und aus Ostdeutschland zusammengefunden. Hauptgesellschafter ist die Elisa Kommunikation GmbH, die wiederum zu 100 Prozent der Elisa Corporation in Helsinki gehört, der größten privaten Telefongesellschaft Finnlands.