Gegenüber Grippemitteln waren deutsche Ärzte und Krankenkassen bisher ausgesprochen skeptisch. "Impfungen sind billiger und wirksamer als Medikamente", urteilt etwa Robert Stork, Apotheker in den Diensten der AOK.

Zudem halten viele Patienten ihr Leiden zunächst für einen banalen Schnupfen, die Spezialarznei muss aber sofort nach der Infektion verabreicht werden.

Sehr zum Leidwesen von Herstellern wie GlaxoSmithKline und Roche hielten sich die Umsätze der Grippemittel daher in Grenzen.

Doch was noch nicht ist, kann ja noch werden: Gegen die in Asien grassierende Hühnergrippe, die sich auch auf Menschen übertragen kann, gibt es derzeit noch keinen Impfstoff (siehe auch Wissen, Seite 25). Die Weltgesundheitsorganisation testet daher vorhandene Arzneien auf ihre Therapietauglichkeit und hat sicherheitshalber eine größere Menge der Grippepille Tamiflu bei Roche geordert. Der Schweizer Konzern hat schon die Produktion hochgefahren, um sich auf eine Epidemie vorzubereiten. "Meine Angst ist nur, dass die Leute vor lauter Hühnern die normale Grippe vergessen", sagt Unternehmenssprecher Hans-Ulrich Jelitto. Im vergangenen Winter seien in Deutschland rund 16 000 Menschen an Grippe gestorben, was in der Panik um Sars und andere asiatische Seuchen völlig in den Hintergrund geriet.+