Musik eJazzSeite 4/4
Weniger umfassend lässt es Trapist angehen, ein Trio aus Wien, auch mit Brandlmayr. Ballroom ist ein eigenwilliger Titel für das übernächste Woche auf Thrill Jockey erscheinende Album, denn tanzbar ist die Musik nun gerade nicht. Die Stücke sind atmosphärisch, langsam und ausgreifend, Elektronisches und Nichtelektronisches aufs Sorgsamste verknüpfend. Vibrafon und Pedal-Steel-Gitarre verleihen ihr ein spezifisches Kolorit.
Auch Gitarrist Martin Siewert, 31, sträubt sich gegen Jazz-Assoziationen, die das Trio auslöst, weil es einen Kontrabass hat und Schlagzeug mit dem Besen spielt: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir von einem richtigen Jazzpublikum eher als folky oder krautrockig wahrgenommen werden.“
Siewert nennt als Einflüsse die guten alten Can aus Köln und The Necks, ein australisches Pianotrio, das Strukturen elektronischer Musik wie repetitive Muster und lange Bögen akustisch verarbeitet.
Apropos australisches Pianotrio: Zeitgemäß virtuell ist die Kooperation zwischen Triosk aus Sydney und dem Berliner Elektroniker Jan Jelinek, die sich nur einmal kurz begegnet sind. Die Australier fragten Jelinek nach einem Gastspiel um Erlaubnis, Samples seiner Stücke für ihre Musik zu verwenden. Jelinek sagte ja. Dann wurde, ohne dass der eine und die drei je zusammen im Studio gewesen wären, eine kontinentübergreifende Platte daraus. Der Titel des Albums (bei www.scape-music.de) erinnert daran: 1+3+1.
Am Anfang standen Samples von Jelinek, dazu spielte das Trio, die Files gingen per Internet an Jelinek, der an ihnen feilte. Was am Ende herauskam, hat keinen Ort mehr und weist doch in eine Richtung: nach vorne.
- Datum 26.06.2006 - 05:49 Uhr
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- Serie musik
- Quelle (c) DIE ZEIT 05.02.2004 Nr.7
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