Wenn der Wissenschaftsrat wie in diesen Tagen seine Empfehlungen abgibt, ist ihm Aufmerksamkeit meist sicher – Gefolgschaft nicht unbedingt. Das wichtigste Beratergremium von Bund und Ländern in Sachen Hochschulpolitik hat zwei Aufgaben: Zum einen begutachtet es Forschungsinstitutionen oder Fächer. Zum anderen erstellt es Expertisen zu übergreifenden Themen wie diesmal zur Auswahl der Studenten durch die Hochschulen oder zur Nationalen Akademie. Die Stärke des Wissenschaftsrates ist gleichzeitig seine Schwäche: In seinen Reihen sitzen neben hochkarätigen Forschern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auch Vertreter der führenden Wissenschaftsorganisationen und Abgesandte von Bund und Ländern. Diese repräsentative Breite verleiht dem Gremium Gewicht, macht es aber auch schwerfällig. Denn für einen Beschluss ist stets eine Zweidrittelmehrheit nötig. Mit eigenen Mitgliedern im Wissenschaftsrat vertreten sind unter anderem die DFG sowie die Max-Planck-Gesellschaft (MPG).

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist der bedeutendste Forschungsförderer in Deutschland. Um seine Mittel, zurzeit jährlich 1,3 Milliarden Euro, buhlen in erster Linie die Forscher an den Universitäten. Obwohl das Geld von Bund und Ländern stammt, entscheiden von Wissenschaftlern gewählte Wissenschaftler über dessen Verteilung. Die DFG – "Stimme der Wissenschaft" – versteht sich ebenfalls als Beratungsgremium von Parlamenten und Behörden.

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) vereint 80 Institute der Grundlagenforschung. Bund und Länder teilen sich die Finanzierung. Auch die MPG ist keine staatliche Einrichtung, sondern ein eingetragener Verein mit 900 Mitgliedern. Im MPG-Senat, dem zentralen Entscheidungsgremium, sitzen wiederum Mitglieder der wichtigen wissenschaftspolitischen Gruppen.

In erster Linie mit geisteswissenschaftlichen Langzeitprojekten befasst sind die sieben Akademien der Wissenschaften in Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Heidelberg, Leipzig, Mainz und München. Die Zusammenarbeit der von den Sitzländern getragenen Akademien wird in der Union der Akademien der Wissenschaften organisiert.

Eine Sonderstellung nimmt die älteste und größte deutsche Akademie ein, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina. Gegründet 1652, von Leopold I. 1687 zur Kaiserlichen Reichsakademie erhoben, ist die Leopoldina die einzige überregionale Gelehrtensozietät. Die Mehrheit ihrer Mitglieder sind Mediziner und Naturwissenschaftler – auch Goethe, Darwin und Einstein stehen in den Verzeichnissen. Bis 1878 wechselte ihr Standort an den Wirkungsort des jeweiligen Präsidenten. Seither ist sie in Halle angesiedelt. In der DDR-Zeit galt die Leopoldina für Wissenschaftler als Brücke in den Westen. spi