Roman Unterwegs den Mut verlorenSeite 3/3

Damit ist der Kreis geschlossen, das Motiv verschenkt. Ohne die Kenntnis des Geliebten der Mutter bleibt der neue „Roman“ unverständlich. Dem Mut und der Offenheit, mit der Widmer das Schicksal (s)einer Mutter beschrieben hatte, entsprach die Stillage. Noch die Komik war herzzerreißend. Das Schluchzen, einst von Walter Benjamin hinter der Geschwätzigkeit Robert Walsers herausgehört, lässt sich dort in jedem Satz vernehmen.

Widmers Stärke, sein Witz, seine sprachliche Kraft und Sicherheit, diente lange Zeit einem avancierten Verständnis von Literatur. Wie ein Feuerwerk zündete er, effektvoll, seine Pointen. Diese Stärke war mit einer Schwäche erkauft. Seine handlungsstarken Geschichten verdeckten, mit schon zwanghaften Zügen autonomem Sprach-Spiel verpflichtet, die Erfahrung, der sie sich verdankten. Erst im Geliebten der Mutter hatte sich Widmer vom zwanghaften Witzeln freigeschrieben. Er spielte Schicksal. Vergleichbar Handkes Versuch im Wunschlosen Unglück, aus dem „allgemeinen Formelvorrat“ für ein „Frauenleben“ ein „besonderes Leben“ zu erfinden. Der Preis war eine Leerstelle: „der Vater“. Jetzt hat Widmer die Leerstelle ausgefüllt. Mit dem Ergebnis, dass sich erkennen lässt, warum sie nötig war.

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Urs Widmer: Das Buch des Vaters Roman; Diogenes Verlag, Zürich 2004; 209 S., 19,90 €Das Buch des VatersBelletristikRomanUrs WidmerBuchDiogenes Verlag2004Zürich19,90209
 
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