SiebecksWeinlese (25)

von Wolfram Siebeck

zwei sehr unterschiedliche Messen könnten für die Weinliebhaber unter meinen Lesern von Interesse sein. Da ist einmal vom 22. bis zum 24. Februar in Straßburg der Salon National des Vins des Vignerons Indépendants. Eine bessere Gelegenheit, sich über französische Weine der Mittelklasse zu informieren, gibt es kaum. Mittelklasse bedeutet, dass dort Weine angeboten werden, die selten mehr als 40 Euro kosten. Also die Brot-und-Butter-Weine, die uns im Alltag erfreuen. Man kann sie bei einem Eintrittspreis von 6 Euro alle probieren, kaufen und gleich mitnehmen. Die rund 400 Winzer locken erfahrungsgemäß viele Besucher an – zunehmend auch aus Deutschland –, sodass die Messe einem Volksfest gleicht, wo man auch französische Schmankerln essen kann (Straßburg, Messegelände Wacken, Halle 10).

Die andere wichtige Messe findet vom 29. Februar bis zum 2. März in Düsseldorf statt. Es ist die ProWein, auf der man keine Flasche kaufen, sich aber über Tausende von Weinen aus aller Welt informieren kann. Einen größeren Überblick bietet keine andere Messe. Wenn man sich zur richtigen Zeit am richtigen Stand einfindet, gibt es auch was zu essen (und zu trinken). Im Gegensatz zu Straßburg stehen in Düsseldorf ausreichend Parkplätze zur Verfügung.

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Besonders gut vertreten und gut organisiert sind die Mitglieder des VDP (Verein Deutscher Prädikatsweingüter).

Deren Sektion Nahe hat soeben beschlossen, ab Jahrgang 2003 das so genannte Große Gewächs Nahe zu fördern. Dabei handelt es sich um eine inoffizielle Verpflichtung zum Premiumsegment des trockenen Riesling-Spitzenweins, welche das deutsche Weingesetz in dieser Konsequenz nicht bietet oder gar verlangt.

Das Große Gewächs Nahe garantiert nämlich, dass der Wein aus einer klassischen Spitzenlage stammt, der Ertrag auf 50 Hektoliter pro Hektar limitiert ist, die Trauben von Hand gelesen werden, der Wein eine strenge Blindverkostung durchläuft und erst ein Jahr nach der Ernte vermarktet wird. Also alles Bedingungen, die ein anspruchsvoller Weintrinker ohnehin von seinem Winzer verlangt.

Es ist wahrscheinlich, dass auch andere Weinbauregionen diesem Beispiel folgen werden. Schließlich hat sich auch bei den Winzern herumgesprochen, dass allein erste Qualitäten auf dem heimischen Markt eine gute Chance haben.

In den Preislisten renommierter Weingüter in Baden habe ich unlängst bei einer Rundreise am häufigsten das Wort "ausverkauft" gelesen. Kein Wunder bei den saftigen Rieslingen, die in und um Durbach herum sowie am Kaiserstuhl produziert werden. Am erstaunlichsten ist aber die Qualität der dortigen Chardonnays. Diese Traubensorte war hier noch vor fünfzehn Jahren so gut wie unbekannt. Dann experimentierten die ersten Winzer mit diesem Modewein, und plötzlich gelangen ihnen weiche Chardonnays, die nicht nach Vanille schmeckten, die keinen brutalen Holzton hatten und trotzdem nicht dünn und sauer waren. Sie besaßen sogar die typische, gelbe Farbe mit grünlichem Schimmer und waren genau so, wie ich sie gern trinke.

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  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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