Der heilige Patrick, der im 5. Jahrhundert die irischen Kelten missionierte, musste die Schlangen nicht von der Insel vertreiben – es gab schon damals keine. Der Grund dafür ist die geografische Isolation Irlands. In der letzten Eiszeit waren England und Irland von einem dicken Eispanzer überzogen, kein Reptil konnte in dieser Kälte überleben. Vor etwa 18000 Jahren begann das Eis sich zurückzuziehen. Damals waren die britischen Inseln noch über Landbrücken mit dem Festland verbunden. Nach England und Schottland wanderten die Schlangen wieder ein, aber bevor sie nach Irland vordringen konnten, hatte das steigende Meerwasser die Insel vom Rest des heutigen Großbritannien isoliert. Offenbar waren die flinken Eidechsen schneller – jedenfalls haben sie es als einzige Reptilien auf die grüne Insel geschafft. Die biogeografische Sonderstellung teilt Irland in den gemäßigten Breiten der Erde sonst nur mit Neuseeland – auch dort gibt es keine Schlangen.

Ab und zu entweichen natürlich auch in Irland einzelne Kriechtiere aus Terrarien. 1831 wollte ein Mann die Wirksamkeit von St. Patricks Fluch auf die Probe stellen und ließ sechs Schlangen in seinem Garten frei – die Nachbarn erschlugen sie. Jedenfalls gibt es bis heute keine nennenswerte Population wilder Schlangen in Irland.

Christoph Drösser

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