Lebenszeichen Die BfA und ich
Harald Martenstein wird zum Versicherungsfall
Vor ewiger Zeit hat TV Hören und Sehen, eine Zeitschrift aus dem Heinrich Bauer Verlag, einen Artikel von mir nachgedruckt. Es ging darin um die Südsee. Monate später kam ein Brief von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Ich sollte einen Fragebogen ausfüllen. Sie wollten wissen, ob ich eine GmbH, eine KG, eine Praxisgemeinschaft oder eine Partnerschaftsgesellschaft GbR sei. Ich weiß gar nicht, was das ist. Oder: »Kann Ihr Auftraggeber Ihr Einsatzgebiet ohne Ihre Zustimmung verändern?« Ich denke mal, man würde mich wegen des Einsatzgebietes vorher fragen.
Dann kam ein Brief. Der Fragebogen habe klar ergeben, dass ich Redakteur bei TV Hören und Sehen sei, und zwar einer, der seine Sozialversicherungsbeiträge nicht zahlt. Ich hatte noch nie mit der BfA zu tun. Ich hatte keine Ahnung, was die machen. Ich schrieb zurück: Ich bin Redakteur bei einer Zeitung in Berlin, dafür gibt es Zeugen.
Wochen später kam von der BfA eine Art Rentenbescheid. In dem Rentenbescheid stand: Sie sind Redakteur in Berlin und bekommen aus diesem Grund später eine Minirente. Beigefügt war eine Liste aller Arbeitgeber, für die ich jemals tätig war.
Ein paar Monate später kam wieder Post von der BfA. Die Überschrift lautete: »Statusfeststellungsverfahren nach §§ 7a ff, Viertes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IV)«. Sie schrieben, sorgfältige Prüfung habe ergeben, dass ich nachweislich Redakteur beim Heinrich Bauer Verlag sei, ich solle endlich mit meinen peinlichen Ausflüchten aufhören. Ich rief bei der BfA an. Ich sagte: »Wenn ich Redakteur beim Heinrich Bauer Verlag wäre, müsste ich das doch wissen. Oder falls ich geistig umnachtet bin, dann wüsste wenigstens der Bauer-Verlag davon.« Außerdem, sagte ich, müsst ihr nur euren eigenen Rentenschrieb lesen. Ihr wisst in Wahrheit genau Bescheid und wollt mich bloß fertig machen.
Eine Frau war am Apparat. Sie sagte: »Wir bei der BfA haben zurzeit arbeitsmäßig etwas Luft. Deswegen überprüfen wir bei den Versicherten Ungereimtheiten.« Ich war total sauer.
Wieder Monate später kam der nächste Brief. Er war sehr lang, mit Schreibmaschine getippt und mit der Hand unterschrieben. Der Grundtenor lautete: Da ich bestreiten würde, beim Bauer-Verlag angestellt zu sein, müsse es sich bei mir logischerweise um einen selbstständigen Unternehmer handeln, der in die Pflichtversicherung für Selbstständige hineinmuss. Ein weiterer Fragebogen war beigefügt sowie die »Erläuterungen V 024 zum Fragebogen zur Feststellung der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung für Selbständige«. Sie verlangen, dass ich in Zukunft »im Zeitpunkt der Aufnahme eines Auftrags eine vorausschauende Betrachtung vornehmen« soll und all so was.
Ich rief wieder an. Ich sagte: »Ich bin Angestellter, zahle Sozialversicherung, nebenbei bekomme ich Honorare, für die ich Steuern zahle. Will das denn nicht in euren Kopf hinein? Viele Deutsche leben auf diese Weise!« Die Frau erwiderte: »So eine Konstellation hatten wir hier noch nicht. Ich muss mit der Clearingstelle reden.« Diesem Land bin ich geistig nicht mehr gewachsen.
- Datum 05.02.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 05.02.2004 Nr.7
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