Jetzt werden die Feste gefeiert, wie sie gefallen. Deutsche Weihnachtsbräuche erfreuen die Welt; auch in der englischen Provinz halten die German Christmas Markets Einzug, während von dort (und aus den USA) ein anderer Brauch zu uns gekommen ist, sehr zur Freude unserer Floristen, Zuckerbäcker und Nice-Scheiß-Geschäfte: der Valentinstag, der 14. Februar, der Tag der Verliebten und Verlobten.

So fremd (und manchmal arg aufgesetzt) es hierzulande noch wirkt – es ist ein altes Fest. Denn alljährlich am 14.Februar, dem Namenstag des heiligen Valentin, halten nach mittelalterlicher Vorstellung die Vögel Hochzeit. Und es war just ein englischer Dichter des 14.Jahrhunderts, dessen Werk heute zur Weltliteratur zählt, der diesen Tag für die englisch sprechende Welt wenn auch nicht erfunden, so doch geprägt hat: Geoffrey Chaucer.

Sein Parlament der Vögel, ein herrliches Gedicht in hundert Strophen, das zwischen 1374 und 1380 entstand, ist die "Urschrift" jenes Festes, das früheste literarische Zeugnis dafür, dass der heilige Valentin und die Paarung der Vögel auf geheimnisvolle Weise zusammenhängen. Und da es eine allegorische Dichtung ist, lässt sich leicht folgern, dass hier weniger die Tiere als die Menschen gemeint sind.

Dabei holt Chaucer weit aus, um die erregte Liebesdebatte der gefiederten Parlamentarier gebührend einzuleiten. Anspielungen aller Art, Anleihen bei Zeitgenossen und antiken Vorgängern illuminieren den Text.

Wo der Dichter seine umfassende Bildung eigentlich erworben hat, bleibt unklar. Über seine frühen Jahre gibt es kaum Dokumente. Nicht einmal sein Geburtsjahr ist zweifelsfrei festzulegen. Mehrere Anhaltspunkte lassen aber darauf schließen, dass er im Jahre 1340 als Sohn eines Weinhändlers in London zur Welt kam.

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Der Junge dürfte eine gute Schulausbildung mit auf den Lebensweg bekommen haben. Und wie für einen Spross aus dem aufstrebenden Bürgertum angemessen, erhielt er seinen "Feinschliff" wohl in höfischen Kreisen: Er wurde Page im Haushalt der Gräfin von Ulster, einer Schwiegertochter König EdwardsIII. In dieser Umgebung, in der Französisch die Umgangssprache war, wurde Chaucer nicht nur mit der Hierarchie und dem Zeremoniell des Hofes vertraut gemacht, sondern lernte auch reiten und jagen, malen und musizieren. In späteren Jahren schickte man ihn mehrmals auf diplomatische Missionen nach Frankreich und Italien. All dies – und nicht zuletzt die Spielarten höfischer Liebe – verwob er wirklichkeitsgetreu in seinen Werken, von denen die Boccaccio-inspirierten Canterbury Tales , ein Kranz Versnovellen um die Wallfahrt nach Canterbury, das populärste wurde, noch 1971 von Pier Paolo Pasolini mit derbem Witz verfilmt.

Das Parlament der Vögel ist ein Album der Wünsche, ein Katalog der Zweisamkeit für alle Heiratslustigen. Es beginnt damit, dass der Dichter über das Wesen der Liebe sinniert, aber – naturgemäß! – zu keinem rechten Ergebnis kommt. Überhaupt kenne er die Liebe nur aus Büchern – eine etwas irritierende Vorstellung, wenn man bedenkt, dass Chaucer beim Verfassen der Verse um 1380 ungefähr vierzig Jahre alt und seit mindestens fünfzehn Jahren verheiratet war.