César Aira: Humboldts Schatten. Novelle - aus dem Spanischen von Matthias Strobel - Nachwort von Ottmar Ette - Nagel & Kimche, Zürich 2003 - 124 S., 14,90 e

Das Jahr der Katastrophe war 1837. Damals hatte sich der große Landschaftsmaler Johann Moritz Rugendas, ein Freund und Reisebegleiter Alexander von Humboldts, in die öden Weiten Argentiniens vorgewagt, "um die geheimnisvolle Leere zwischen den Horizonten" zu malen. Ein Unglück geschieht, das die Gesichtszüge dieses Künstlers auslöscht, während er, besessen von der Kunst, der wilden Szenerie und den Kämpfen zwischen Indianern und Siedlern ewige Kontur gibt. Eine surreale Geschichte, die der argentinische Autor César Aira wie in einem Wirbel der Imagination erzählt, als wolle er uns mit der alten unerbittlichen Frage testen: Was ist denkbar?

Wo ist Gnade?

Patrick Modiano: Ein so junger Hund. Roman - aus dem Französischen von Jörg Aufenanger - Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2003 - 103 S., 7,95 e

Im schrecklichen Jahr 1938 hatte es den Fotografen Francis Jansen nach Paris verschlagen, und fast 30 Jahre später wird er, Jude, ehemaliger Lagerinsasse, Magnum-Fotograf, von dort verschwinden, mit der Ernte von drei Koffern voller Zelluloid-Augenblicke, in denen immer eines durchscheint: das Nichts. Noch einmal 30 Jahre später wird der Erzähler versuchen, dieses Leben zusammenzufügen, wird sich erinnern an das Frühjahr 1964, in dem er Jansen traf, er damals "ein so junger Hund" und Jansen einer, der abgeschlossen hatte, als er sich ihm anheftete, als ginge es um sein Leben, mit dem Älteren durch die Straßen flanierte, als ließen sich so Spuren in die Zukunft legen.

Eine kostbare, traurige Erzählung.