Jede dritte Schnittblume auf dem Weltmarkt wächst deshalb in den Ländern am Äquatorgürtel, vor allem Rosen und Nelken. Und Kolumbien ist mit 14 Prozent Marktanteil inzwischen sogar der zweitgrößte Blumenproduzent nach den Niederlanden. Dahinter folgen Kenia, Israel und Simbabwe.

Die Zertifizierung mit dem deutschen Blumensiegel läuft in Kenia und Ecuador am erfolgreichsten. Beispielsweise auf der Plantage Planterra in den ecuadorianischen Anden bei Otavalo. Hier züchten die Arbeiter zurzeit jährlich fünf Millionen Rosen in 26 Variationen. Stolz präsentiert der 40-jährige Agraringenieur Fernando Nuñez an der Wand des Besprechungszimmers neben dem Moskauer Blumendiplom 2002 auch die Urkunde des deutschen Flower Label Program, gezeichnet in "Düsseldorf, 21. November 2001". Die Produktion genügt den FLP-Standards, wie vor kurzem erneut bestätigt wurde. Die Plantage stellt die Arbeiter sogar für gewerkschaftliche Treffen auf Landesebene frei.

Schon 15 Betriebe mit zusammen 8000 Beschäftigten ist es in Ecuador gelungen, trotz höherer Lohnkosten, Langzeitverträgen und Gewerkschaftsfreiheit einen profitablen Rosenanbau von hoher Qualität zu betreiben. Der Clou sei nämlich, so Agraringenieur Nuñez, dass die Rechnung am Ende für die Produzenten aufgehe. Natürlich erhöhe die Blumenzucht unter den Normen des Flower-Labels zunächst die Produktionskosten. In der Umstellungsphase gäbe es auch einen höheren Ausschuss. Doch an anderer Stelle könne man sparen: "Zum einen setzen wir deutlich weniger der teuren Pestizide ein, und zum anderen erhalten wir mit den strengen FLP-Normen weniger Reklamationen von Kunden. Gleichzeitig gibt es für FLP-Blumen weniger Importbeschränkungen als für herkömmliche Blumen, weil die anerkannten FLP-Normen zahlreiche Auflagen bereits erfüllen oder sogar darüber hinausgehen."

Für die meisten der etwa 200000 Arbeiterinnen in Afrika, Asien und Lateinamerika ist der Blumenhandel aber längst nicht so "fair, frisch und fantastisch", wie ihn etwa der Blumenimportverband Hamburg auf seiner Web-Seite preist.

Die Unfallopfer von der Plantage Flores Aposentos in Kolumbien etwa warten noch heute auf eine Erklärung, welche Chemikalie unter welchen Umständen zu der Katastrophe vom November führte. Dabei klagen Plantagenarbeiterinnen in dem Land schon seit Jahren über gefährliche Arbeitsbedingungen.

"In den meisten Plantagen werden Arbeiter durch Kurzzeitverträge zu Niedriglöhnen systematisch ausgebeutet", sagt Aidé Silva, eine von 1000 Arbeiterinnen in der Großplantage La Benilda, dem größten Lieferanten Kolumbiens für den deutschen Blumenmarkt. "Noch schlimmer ist, dass wir nicht genügend gegen die hochgiftigen Pestziden geschützt sind. Häufig leiden Kolleginnen unter Haut-, Lungen- und sogar Nervenkrankheiten." Aidé Silva ist zugleich Präsidentin von Untraflores, der einzigen unabhängigen Gewerkschaft von Arbeitern in der Blumenindustrie ihres Landes.

Die ohnehin wenigen Gewerkschaftsmitglieder in der kolumbianischen Betrieben wurden in der Vergangenheit wiederholt fristlos entlassen und oft trotz gerichtlicher Verfügung nicht wieder eingestellt. Die meisten Blumenexporteure Kolumbiens weigern sich systematisch, Gewerkschafter zu beschäftigen. Kein Wunder, dass in ganz Kolumbien gerade einmal 50 Arbeiterinnen bei Untraflores organisiert sind.