Selbst einer der größten deutschen Blumenimporteure kann daran nichts ändern. Jens Kramer, Geschäftsführer der Firma Florimex GmbH & Co. KG im hessischen Kelsterbach, ist ein Vertragspartner der Plantage La Benilda. In der Vergangenheit versuchte er nach eigenen Angaben mehrfach, seine kolumbianischen Lieferanten zu mehr Arbeits- und Umweltschutz zu bewegen, und warb für die Gewerkschaftsfreiheit. Florimex gehört zu den Initiatoren des FLP-Siegels. Aber "in Kolumbien stoßen wir bei einigen Produzenten leider auf eine ablehnende Haltung, die wir bisher nur unzureichend abbauen konnten", sagt Kramer vorsichtig und ernüchtert. Die Geschäfte mit der Plantage hat er aber nicht eingestellt.

An diesem Fall wird der Interessenkonflikt zwischen Kundenpflege und Menschenrechtsbelangen sichtbar. Er spiegelt sich auch in Äußerungen des Verbandes des Deutschen Blumen-Groß- und Importhandels (BGI) wider – ebenfalls ein Gründungsmitglied des FLP. Einerseits heißt es dort, dass Menschenrechtsverletzungen schlecht fürs Geschäft seien, denn "da Schnittblumen zu über 65 Prozent als Geschenk vermarktet werden, ist es enorm wichtig, dass das Image der Schnittblume keinen Schaden erleidet". Doch nach der Aussperrung von kolumbianischen Gewerkschaftern im vergangenen Jahr befragt, teilte der Verbandsgeschäftsführer des BGI, Henning Möller, schriftlich mit: "Bedauerlicherweise verfügen wir nicht über eigene Informationen zu dieser Thematik." Das erstaunt, da der BGI seit Jahren in regelmäßigem Kontakt zu den kolumbianischen Blumenproduzenten steht und die Gewerkschaftsfreiheit ein wichtiger Bestandteil der FLP-Initiative ist.

Erschwert wird die Arbeit der FLP-Befürworter vor allem dadurch, dass sie bisher in den Niederlanden kaum Unterstützung findet. Der Weltmarktführer, der schon 1637 die erste Tulpenbörse in Alkmaar gründete, baut 56 Prozent aller Schnittblumen an und kontrolliert sogar 70 Prozent des weltweiten Handels.

Derzeit ist es noch so, dass bei Blumen, die über Zwischenhändler aus Holland nach Deutschland kommen, Herkunft und damit Produktionsbedingungen vollends verschleiert sind. Der FLP-Vorsitzenden Frank Braßel hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, "die niederländischen Händler in einen Internationalen Verhaltenskodex des Blumenhandels einzubinden". Unter dem Arbeitstitel Fair Flowers and Plants hat eine Verhandlungsgruppe des internationalen Blumenhandelsverbandes Union Fleurs immerhin schon die inhaltlichen Richtlinien beschlossen. "Sie sind eng an die scharfen Kriterien des FLP angelehnt", sagt Frank Braßel. "Aber bei Finanzierung, Organisation und technischer Umsetzung gibt es noch erheblichen Arbeitsbedarf." Das Projekt kann noch Jahre dauern.