Schule Nachsitzen und Praxis paukenSeite 2/2

In der freien Wirtschaft hat Maja Dammann denn auch vieles abgeguckt, als sie im Jahr 2001 das Konzept für die Berufseingangsphase entwickelt hat. Sie sprach mit Personalverantwortlichen von Airbus und mittelständischen Unternehmen. „Die gehen sehr sorgsam mit ihren Neuen um“, sagt Dammann. „Wenn ein neuer Mitarbeiter unzufrieden den Betrieb wieder verlässt, rechnen die Firmen mit Kosten von 50000 Euro.“ Sie wälzte Studien zur Lehrergesundheit, traf sich mit Schulleitern und befragte Berufseinsteiger nach ihren Erfahrungen und Wünschen.

Erfahrungen in der Personalarbeit gewann die Gymnasiallehrerin zehn Jahre lang als Schulleiterin einer Gesamtschule. „Die Integration junger Kolleginnen und Kollegen war immer ein wichtiges Thema.“ Dass die 52-Jährige zum Motor des Hamburger Projekts wurde, ist einem Zufall zu verdanken – und der viel gescholtenen Kultusministerkonferenz (KMK). Die setzte nämlich 1998, aufgeschreckt durch das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der internationalen Schulstudie Timss (Third International Mathematics and Science Study), eine Kommission zur Reform der Lehrerbildung ein. Unter der Leitung des Bochumer Erziehungswissenschaftlers Ewald Terhart empfahl die Kommission eine stärker auf den späteren Beruf ausgerichtete Ausbildung der Pädagogen und identifizierte die entscheidende Bedeutung der Berufseingangsphase für den weiteren Berufsweg. „Man kann Anfänger in den Anfang vom Ende schicken, wenn sie falsche Routinen einüben“, erläutert der Ulmer Pädagogikprofessor Ulrich Herrmann. „Umso fataler ist es“, heißt es im Kommissionsbericht, „dass genau in dieser Phase die jungen Lehrer weitgehend allein gelassen werden.“

Der KMK-Kommission folgte (hallo, Föderalismus!) eine Hamburger Kommission unter Leitung des Zürcher Erziehungswissenschaftlers Jürgen Oelkers. Sie schlug unter anderem eine Neugestaltung der Berufseingangsphase vor.

Der Zufall will es, dass Maja Dammannn nach 25 Jahren Schuldienst im Jahr 2000 ein Sabbatjahr einlegt, den gerade erschienenen Oelkers-Bericht liest – und ihr Thema findet. Zum richtigen Zeitpunkt, denn an den Schulen hat der große Wechsel eingesetzt. 700 Lehrer werden in Hamburg derzeit pro Jahr pensioniert. In fünf Jahren wird ein Viertel der gesamten Lehrerschaft ausgewechselt sein. Ähnlich sieht es in allen alten Bundesländern aus.

„Die Zeit läuft uns davon“, sagt Peter Daschner, der Direktor des Landesinstituts für Lehrerbildung. „Wenn an den Universitäten das Lehrerstudium reformiert wird, spüren wir die Wirkungen erst in ein paar Jahren.“ Deswegen setze er auf die Berufseingangsphase. Auch die Junglehrer sind zufrieden: Mehr als 95 Prozent der Teilnehmer bewerteten in einer anonymen Befragung den Praxisbezug und die Wirkung für ihren Berufsalltag mit „gut“ oder „sehr gut“.

*Namen geändert

 
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