leben in deutschland (20) Wie man in Deutschland als Paar lebtSeite 9/11

Aufgehen im Kindersegen

In der Geschichte der Ehe und des eheähnlichen Zusammenlebens hat es vier Hauptmodelle gegeben. Erstens das ökonomisch-rechtliche Ehemodell: Die Verbindung zweier Menschen diente der juristischen Absicherung und der Weitergabe von Besitz. Kein Wunder, dass sich Paare heute noch gegenseitig »Schatz« nennen.

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Zweitens das institutionell-rechtliche Ehemodell: Das Paar (die Familie) wurde als Keimzelle der Gesellschaft gehegt. Drittens das kindzentrierte Modell: das Paar (die Familie) als Reproduktionsgemeinschaft. Viertens das aktuelle Modell: das Paarsein (die Familie) zur Maximierung des persönlichen Glücks.

Die ersten drei Modelle gehen mit großer sozialer Kontrolle einher, das vierte, jüngste Modell entzieht sich ihr. Allerdings mit der Folge, dass viele Anhänger von Modell vier auch der Wärme verlustig gehen. Die Deutschen, die noch heiraten, tun es immer später, die Männer im Schnitt mit 31,6 Jahren, die Frauen mit 28,8 Jahren. Je später sie aber heiraten, desto größer ist die Chance einer Scheidung. Und wer sich einmal scheiden ließ, hat relativ hohe Chancen, eine zweite Scheidung zu erleben.

Ist das Paarsein wirklich so verdammt schwer? Vermutlich ja. Es sei denn, es treffen sich die Richtigen. Dann kann es passieren, dass sich die oben beschriebenen Ehemodelle ergänzen. Wie bei den Neuburgs in ihrem Zehn-Zimmer-Endreihenhaus im Hamburger Stadtteil Volksdorf.

Heike Neuburg ist 39, Hermann Neuburg ist 41. Die beiden haben sich im Juli 1984 kennen gelernt. Er war Zivi im Krankenhaus, sie ließ sich zur Krankenpflegerin ausbilden. Nebenher wollten beide Musik machen. Sie trafen sich zum ersten Mal, um etwas von Telemann einzustudieren, Erquicktes Herz, sei voller Freuden. Er sang, sie begleitete ihn auf der Violine. Am selben Abend war ihnen alles klar. Und bald auch der Zuwachs beschlossen: »Vier Kinder planen wir, dann kommen die Ungeplanten.«

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