DIE ZEIT: Herr Behnisch, wenn Sie heute nicht 81, sondern 21 Jahre alt wären – würden Sie noch einmal Architekt werden?

Günter Behnisch: Was Besseres fiele mir wohl nicht ein. Aber wissen Sie, dass meine Enkel jetzt alle Architekten werden, das bereitet mir schon Sorgen. Ich habe mich ja wahnsinnig gequält und bin körperlich ziemlich kaputt. Und dass nun auch meine Nachkommen ein so anstrengendes Leben haben werden, das ist natürlich ein schrecklicher Gedanke. Da muss es doch was Leichteres geben, Journalist vielleicht.

ZEIT: Ja, da haben Sie wohl Recht. Aber was war es genau, das Sie so fürchterlich angestrengt hat?

Behnisch: Denken Sie nur an München, an das Olympia-Stadion, oder an den Plenarsaal in Bonn. Ist ja grauenhaft, was wir da für Kraft reingesteckt haben. Und es dann so zu machen, dass diese Kraft nicht in Gewalt umschlägt, dass es so aussieht, als wäre es leicht. Das war die Kunst: unter großen Zwängen etwas Ungezwungenes zu bauen.

ZEIT: Und wie ist Ihnen das gelungen?

Behnisch: Man muss die Probleme aus dem Büro raushalten, damit die Mitarbeiter in einer leichten Situation arbeiten können. In Bonn hatten wir zum Beispiel einen ganz ekelhaften obersten Baubeamten. Da haben wir extra einen Partner abgestellt, der die Aufgabe hatte, den zu beschäftigen. Er ist jede Woche hingefahren, hat gesagt, Ihre Aktenvermerke stimmen nicht, hat ihm alles um die Ohren gehauen, sodass der wieder die ganze Woche zu tun hatte.

ZEIT: Damit hatten Sie ihn vom Hals?