Behnisch: Unsere Bauten brauchen halt Freiheit. Wir arbeiten nicht auf ein Ziel zu, sondern warten im Prozess, was sich ergibt. Wir gehen viel auf die Baustellen, und manchmal merken wir dann, dass etwas fehlt. Zum Schluss sind wir oft überrascht, was da zur Welt kommen wollte.

ZEIT: Was, Sie lassen das einfach so laufen?

Behnisch: Ganz so ist’s wohl nicht. Aber man kann und sollte nicht alles steuern, finde ich. Sonst kommt da am Ende so eine Platzanweiser-Architektur heraus, die alles bestimmen will. Nein, in meinen Häusern darf es auch Widersprüche geben, die wollen nicht unbedingt Recht haben. Sie sind offen für vieles, auch für Veränderungen in sich selbst.

ZEIT: Kann es sein, dass Sie eher Landschaften als Architektur gebaut haben?

Behnisch: Das mag sein. Ich bin ja ein ländlicher Mensch, aufgewachsen im kleinen Lockwitz bei Dresden. Nach dem Krieg kam ich dann nach Stuttgart, und die Hügel und Bäume, die gefielen mir gleich. Ist natürlich bürgerlicher hier, aber die Stimmung ist schon irgendwie ähnlich. Also, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin, hat schon bestimmte Vorstellungen in mir erweckt. Dass man zum Beispiel einen Ort nicht mit Mauern umgrenzen und einengen muss. Da steht ein Baum, da fließt ein Fluss, da läuft ein Igel rum, das ist mehr so meine Welt. Und so sehen unsere Gebäude ja auch aus, da laufen überall Igel rum. Wichtig ist für mich, dass die Dinge in der Landschaft miteinander reden – der Bach mit dem Hang und der Hang mit dem Feld. So ist das in unserer Architektur auch. Die Dinge treten ein in ein Gespräch, und ich verlange nicht von ihnen, dass sie strammstehen.

ZEIT: Sie reden von Dingen, als seien es Menschen.

Behnisch: So empfinde ich sie. Dahinter steckt sicherlich der Wunsch, ihnen Eigenart zuzusprechen. Denn gerade in der Vielfalt der Materialien und Formen lebt für mich so etwas wie Freiheit, eine Freiheit, in der Dinge zu sich selbst finden können. Mir gefällt es halt, auch ein Lochblech oder irgendein anderes Teil, das im praktischen Leben ausgemustert worden oder schlecht behandelt worden ist, wieder gut zu behandeln.