Film Ekstase, Tod

Der deutsche Film „Was nützt die Liebe in Gedanken“

Die Liebe ist das eine, der Tod das andere. Dazwischen gibt es nichts. So ist das, wenn man jung ist und die Welt nur einen Ort für kleinmütige Kompromisse abzugeben scheint. Die Abiturienten Paul Krantz und Günther Scheller beschließen deshalb, nach dem „höchsten Punkt“ im Leben zu fahnden. Jenem Moment, in dem der Glückstaumel der Liebe in Ernüchterung zum Stillstand kommt und alles Weitere nur noch einen schwachen Abglanz des Erlebten bedeutet. Die Oberprimaner gründen einen Selbstmörderclub. „Wir verpflichten uns, unser Leben in dem Augenblick zu beenden, in dem wir keine Liebe mehr empfinden. Und wir werden all diejenigen mit in den Tod nehmen, die uns unserer Liebe beraubt haben.“

Der Club bescherte dem Berlin der Weimarer Republik einen spektakulären Prozess, der als „Steglitzer Schülertragödie“ in die Kriminalgeschichte einging. Achim von Borries, den man seit seinem Spielfilmdebüt England! eher mit spröden Dialogen als mit todessehnsüchtiger Fabulierlust in Verbindung bringt, hat den Fall von einst (nach Carl Boese und Max Nosseck) in Was nützt die Liebe in Gedanken für die Leinwand adaptiert. Doch anders als seine Vorgänger geht es ihm weniger um ein spektakuläres Sittengemälde als um die zeitlosen Sinnnöte Heranwachsender. Die Tanzcafés und Absinth-Partys der Zwanziger bilden die atmosphärische Kulisse, vor der die Empfindsamkeit der Protagonisten in den Ausnahmezustand gerät. Die beiden deutschen Nachwuchsstars August Diehl und Daniel Brühl lassen in jeder Umarmung und jedem Blickwechsel einen Schuss Argwohn aufblitzen, ob der andere auch zum selbstverlorenen Genuss und zur ungeheuerlichen Konsequenz bereit ist. Für Paul, ein dichtendes Arbeiterkind, ist bereits das Milieu, dem der Freund entstammt, ein Erlebnis. Das liberale Bürgertum mit malerischem Sommerhaus am See, der freie körperliche Umgang der Geschwister Hilde (Anna Maria Mühe) und Günther, ihre kühnen Gespräche über Poesie und Begehren. Der Reigen selbst kommt etwas mechanisch in Gang: Paul liebt Hilde, die es mit dem Küchenjungen Hans treibt, der zuvor mit Günther liiert war. Weitere Liebende, komplizierte Überkreuzungen der Gefühle. Als sich in einer ausschweifenden Party alle Kombinationen in Möglichkeitsformen offenbart haben, schlägt das Gelübde der Selbstmörder zu.

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Von Borries eskortiert seine Helden mit aufrichtigem Pathos. Er durchschwitzt mit ihnen Rausch und Demütigungen – ohne den doppelten Boden der Abgeklärtheit, ohne jene Ironie, die die anhaltende Lust am Pubertären im aktuellen deutschen Film so leicht mit sich selbst versöhnt.

 
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