bildung „Viele Ärzte wollen nur den Titel“
Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates plädiert für die Trennung von Forschung und Praxis in der Medizinerausbildung
die zeit: Warum will der Wissenschaftsrat den Doktortitel in der Medizin abschaffen?
Karl Max Einhäupl: Wir wollen den Doktortitel nicht abschaffen, sondern aufwerten. Heutzutage wollen viele Mediziner nur den Titel „Dr. med.“ haben – auch weil die Patienten das von ihnen verlangen. Deren Doktorarbeiten entsprechen jedoch häufig nicht wissenschaftlichen Anforderungen. Überspitzt gesagt, untersuchen manche solcher Dissertationen irrelevante Fragestellungen mit unzulässigen Methoden und erhalten zu guter Letzt noch einen wohlklingenden Titel.
zeit: Wie wollen Sie solche Pseudoforschung in Zukunft verhindern?
Einhäupl: Nach unseren Vorstellungen sollen Medizinstudenten künftig ihr Studium mit einer Abschlussarbeit beenden, die vier bis sechs Monate in Anspruch nimmt. Nach dem Studienabschluss dürfen sie sich Medizinischer Doktor nennen, also MD – wie in den USA. Wer dagegen wissenschaftlich arbeiten möchte, macht im Anschluss an das Studium eine richtige Forschungspromotion. Nur nach solch einer Promotion darf sich jemand den Dr. med. vor den Namen schreiben.
zeit: Wer darf dann eine richtige Doktorarbeit machen?
Einhäupl: Jeder, der sich dazu berufen fühlt und in seinem Studium gezeigt hat, dass er für einen wissenschaftlichen Karriereweg geeignet ist. Das heißt, künftig soll es bereits am Ende des Studiums zu einer stärkeren Trennung zwischen einer klinischen und wissenschaftlichen Laufbahn kommen. Dabei soll dieses System in beide Richtungen durchlässig sein: dass ein Kliniker plötzlich seine Begeisterung für die Forschung entdecken kann und umgekehrt.
- Datum 12.02.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 12.02.2004 Nr.8
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