Ausstellung Avantgarde des SpektakelsSeite 2/2
Dass Schuster dennoch davon spricht, die MoMA-Schau bedeute „für Berlin einen Rückblick auf seine besten Traditionen“, mutet da fast zynisch an. Denn von diesen Traditionen, den vielschichtigen Bündnissen zwischen Kunst und Leben, ist kaum etwas zu sehen. Aus den Ideen der Avantgarde ist ein Spektakel für Kunstfeinschmecker geworden – und ein Vehikel transatlantischer Freundschaftspflege. Kräftig unterstützt wird diese durch ein Beiprogramm, an dem sich 49 Galerien, Museen und Theater beteiligen, versammelt unter dem abstrusen Titel american season – ganz so, als seien die Helden der MoMA-Sammlung, Picasso und Matisse vorneweg, allesamt uramerikanische Künstler gewesen.
Sollte irgendwann das Museum Ludwig in Köln seine Pop-Art-Bilder in Washington zeigen, dann käme dort sicher niemand auf die Idee, eine „Deutsche Jahreszeit“ auszurufen. In Berlin hingegen wiegt offenbar die Lust an der Anbiederung stärker als das Selbstbewusstsein. „Das sind Bilder, die lange eine heile Welt meinten“, sagt Angela Schneider, die Leiterin der Nationalgalerie. „An denen konnte sich die frühe Bundesrepublik orientieren.“ Und ihr Chef, Peter-Klaus Schuster, schwärmt, die Ausstellung offenbare „zehn Jahre nach dem Abzug der Alliierten eine fast schon legendäre Sympathie, welche Berlin und New York immer füreinander empfunden haben“. Im Zeichen der Kunst geht’s zurück in die Zeit der Luftbrücke – das MoMA in Berlin ist das MoMA der Nostalgie.
Vom 20. Februar bis zum 19. September; der Katalog im Hatje/Cantz Verlag kostet 29 Euro
- Datum 12.02.2004 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie Kunst
- Quelle (c) DIE ZEIT 12.02.2004 Nr.8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







