Berufsforschung Die ÜberfliegerinSeite 3/3

Fragt man die Mitarbeiter oder auch Vertreter des wissenschaftlichen Beirates, was sich unter Allmendinger geändert hat, sagen sie: zweitens die Kommunikation. Erstens aber, dass das Institut nicht mehr auf Zuruf der Bundesanstalt arbeite. „Ja“, bestätigt Allmendinger, „das IAB hat mehr Mut und Gestaltungswillen und mehr Wissenschaftsnähe. So hat es das IAB gewollt, und Florian Gerster hat das unterstützt. Das sollte durchaus etwas Bleibendes sein, denn sein Nachfolger Weise unterstützt diese Ausrichtung ebenso.“

Wenn das mal wirklich so bleibt. Weises Bestellung ist ein Sieg der alten Selbstverwaltung. Und irgendwann wird womöglich sogar dieses Gremium begreifen, dass sich hinter der Allmendingerschen Umorganisation durchaus ein inhaltliches Programm verbirgt.

Anzeige

„Bis jetzt habe ich mit der Selbstverwaltung über meine Forschungspläne noch nicht ausführlich gesprochen“, sagt sie, „aber Arbeiten zum Dualen System dürfen nicht länger tabuisiert werden.“ Ein anderes sensibles Thema heiße Lohnspreizung. An die Erforschung der Sinnhaftigkeit eines Niedriglohnsektors habe die Selbstverwaltung das IAB bisher nicht herangelassen. Verbrämt wurde das mit dem Argument der Forschungsneutralität. Auch da will Allmendinger nun ran.

Die Frage ist, ob sie genug politischen Rückhalt finden wird. Sie ist bekennendes, aber einfaches Mitglied der SPD. Das neue Elitekonzept in der sozialdemokratischen Hochschulpolitik nennt sie eine Katastrophe. Sie sitzt in der Kommission, die für Ministerin Renate Schmidt den neuen Familienbericht erarbeitet – und outet sich bei jeder Sitzung durch Augenrollen als Fremdkörper. „Ich habe die Nähe zur Politik durchaus gesucht“, sagt die Professorin. Aber so richtig erwünscht habe sie sich nicht gefühlt. Wie gut, dass sie vom Münchner Lehrstuhl nur für drei Jahre beurlaubt ist und jederzeit zurückkehren kann.

Jutta Allmendinger wurde vor zwei Jahren zur Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg berufen. Seither versucht die Soziologin, die in Harvard studierte und an der Universität München lehrte, die Behörde zu modernisieren. Künftig will sie auch Tabuthemen erforschen lassen, wie etwa den Sinn von Billiglöhnen. Widerstand ist ihr dabei sicher

 
Service