Fernsehen Die Methode Kerner

Muss Fernsehunterhaltung banal sein? Wie viele Lebensbeichten erträgt ein Interviewer? Wie viel Kritik verträgt das TV-Gespräch? Fragen an einen Talkmaster

Herr Kerner, bei der Vorbereitung unseres Gespräches haben diverse Leute gesagt: Nehmt den bloß hart ran! Sie beklagten etwa die Boulevardisierung und Banalisierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vor allem auch durch Sie.

Haben Sie keine eigene Meinung? Ich mache meine Sendung für das Publikum, und ich habe große Akzeptanz beim Publikum. Das freut mich und auch meinen Auftraggeber, das ZDF.

Was, glauben Sie, suchen die Zuschauer bei Ihnen?

Ich kann mir vorstellen, dass sie bei mir Unterhaltung suchen. Ich stehe auch für dieses Versprechen. Sie suchen Freundlichkeit, wenn auch nicht Unernsthaftigkeit. Vielleicht suchen sie das Lächeln meiner Gäste, denen ich die Möglichkeit dazu gebe.

Anzeige

Wir haben eine Liste mit den Themen und Gästen Ihrer Sendung. Und Oberflächlichkeit…

Wir können es kurz machen: Selbstverständlich gibt es oberflächliche Gespräche. Aber wollen wir einmal zusammen die Tagesthemen anschauen? Wollen wir alle ZEIT- Gespräche durchgehen? Was wird denn da manchmal für ein Blabla abgelassen? Ich wehre mich dagegen, dass ein Gespräch über das Sterben, ein Gespräch über einen Lebenslauf, ein Gespräch über den Umgang mit der Stasi automatisch oberflächlich genannt wird, bloß weil es nicht in der FAZ stattfindet oder im heute-journal .

Es gibt inzwischen so viele bunte Formate – beschleicht Sie da nicht gelegentlich das Gefühl, dass der Pool an interessanten öffentlichen Personen langsam erschöpft ist?

Service