heldentod Ich habe einen TraumSeite 2/2

An der Oberfläche, besonders in der Mode, erlebt Punk seit einiger Zeit eine Renaissance. Mich stört das nicht. Jede Zeit hat irgendwann ihr Revival. Natürlich ist es komisch, wenn man im Jahr 2004 Leute sieht, die »Dead Kennedys« auf ihre Jacke schreiben und in der U-Bahn betteln. Allerdings weiß ich, dass in einigen Teilen des Landes Leute totgeschlagen werden, weil sie aussehen wie Punks.

Eines meiner letzten Erlebnisse als Punk waren die Chaos-Tage in Hannover. Damals kam die Oi-Bewegung auf, was viele als Weiterführung des Punk ohne Irokesen und Nietengürtel verstanden. Diese Bewegung wurde stark von den rechten Skinheads durchsetzt, weil der Look so ähnlich war. Bei den Chaos-Tagen gab es Konflikte zwischen den Red-Skins, also den nichtrassistischen Skins, und den rechten Skinheads. Dann wurde die Parole ausgegeben: Alle nichtrechten Skinheads sollen ab sofort eine Armbinde tragen. Damals hab ich gemerkt: Jetzt reicht’s.

Ich nahm mir vor, nach außen hin Teil der Gesellschaft zu werden. Aber vom Kopf her nicht. Das ist noch heute meine Haltung. So sagte ich mir: Jetzt lasse ich mir ordentliche Haare wachsen. Aber ich mache trotzdem radikale Filme. Und muss nicht in Kreuzberg leben. Eine Zeit lang dachten die Leute, nur wenn ein Regisseur in Kreuzberg lebt, macht er auch ungewöhnliche Filme. Als könnte jemand wie Alexander Kluge, der in München lebt, nicht radikaler sein als alle Kreuzberger zusammen. Ich habe ein Ideal aus meiner Punkzeit: No more heroes!

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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