kommentar Lahmender Klonschutz
Die Biopolitik schläft. Das Erwachen ist schreckhaft
Aufgeschoben und eigentlich schon fast vergessen. Noch vor Monaten, nach den irrwitzigen Ankündigungen der selbsternannten Menschenkloner Antinori, Zavos und Co, erschien kaum etwas dringlicher, als dem Klonen von Menschen mit einer UN-Konvention entgegenzutreten. Leider erwies sich das als schwierig, die Bio-Diplomatie konnte sich nicht einigen; die Angelegenheit wurde vertagt. Erst 2005 wollte man sich wieder mit der Konvention gegen das Klonen befassen. Doch hat wirklich jemand geglaubt, bis dahin werde an der Forschungssfront Ruhe herrschen?
In den Instituten liefen die Klonprojekte selbstverständlich mit Hochdruck weiter. Wie schnell qualifizierte Forscher in diesem kompetetiven Forschungsgebiet Fakten zu schaffen vermögen, zeigt die Nachricht aus Südkorea vom Durchbruch beim therapeutischen Klonen. Auch der Mensch ist klonbar. Dabei ist viel weniger die nun unabweisbare Erkenntis aus dieser Nachricht interessant: Dass beim Menschen gelingen kann, was bei Mäusen, Schafen und Rindern machbar ist, hatten nur Wenige bezweifelt. Alarmierend aber muss zumindest den Kritikern der Klontechnologie die Effizienz der Forschungstat an der Universität von Seoul anmuten.
Unter optimalen Bedingungen gelang den koreanischen Wissenschaftlern bei jedem dritten Versuch die Bildung eines geklonten frühen Embryos aus gespendeten Eizellen und Körperzellen. Das sind Verhältnisse wie bei einer natürlichen Schwangerschaft. Die Forscher um Hwang Woo Suk wollen die Technik nur zur Erzeugung von menschlichen Embryozellkulturen nutzen. Das erste Klonbaby wird bis auf weiteres ein Hirngespinst von PR-begabten Knallchargen und betreuungsbedürftig Verwirrten bleiben. Die internationale Denkpause aber, die man meinte sich bei der UN leisten zu können, ist nun - nichts anderes war zu erwarten - jäh beendet worden.
Dass der Eifer des UN-Komitees so schnell erlahmte, hat mit den Tücken der Klontechnik zu tun: Sie lässt sich einerseits zum therapeutischen Klonen nutzen. Dabei werden Embryonen erzeugt, aus denen sich geklonte Stammzellen gewinnen lassen. Von denen erhoffen sich Forscher neue Heilungschancen bei schweren Krankheiten. Der Preis dieser Therapie: der Tod der Embryonen. Andererseits ließe sich derselbe Embryo auch in den Mutterleib übertragen, in der trügerischen Hoffnung, damit ein dauerhaft gesundes Klonkind auf die Welt zu bringen. Dieses reproduktive Klonen, da waren sich bei den UN alle einig, sollte nicht sein. Also fertigte man einen Entwurf zum internationalen Verbot des reproduktiven Klonens an.
Die Bundesregierung war dafür, besonders engagiert der grüne Außenminister. Das Problem war nur, dass die Vorlage den Staaten bei der therapeutischen Anwendung der Klontechnik freie Hand ließ. Das musste sein, denn allzu viele Staaten halten diese Anwendung des Klonen für ethisch erlaubt, wenn nicht sogar für geboten. Großbritannien zum Beispiel hat das therapeutische Klonen national bereits geregelt. Ein Zwist brach aus. Eine Riege biopolitischer Fundamentalisten, angeführt von den USA, forderte eine strikte UN-Konvention gegen jegliches Klonen. Auch eine Reihe deutscher Parlamentarier probten den Aufstand gegen die internationale Haltung der eigenen Regierung schließlich ist in Deutschland Klonen in jeder Form verboten. Die vorhersehbare Folge dieser nicht zu vereinbarenden Auffassungen: Keine Vorlage war bei den Vereinten Nationen konsensfähig. Iran schlug eine Denkpause bis September 2005 vor.
Nun aber sind die ersten geklonten Embryonen Realität, ein international gültiges Komplettverbot der Klontechnik endgültig obsolet. Und die Konvention wenigstens gegen das reproduktive Klonen? Wenn man sie wirklich will, beschließt man sie besser sofort.
- Datum 17.07.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT
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