kommentar Klonmeister aus Korea
Auf dem Jahrestreffen der "American Association for the Advancement of Science" konnte das Wissenschaftsland Südkorea seinen spektakulären Forschungserfolg zum therapeutischen Klonen präsentieren
Koreanische Namen tauchen in wissenschaftlichen Publikationen zwar immer öfter auf, doch dieses Paper war der erste große Hit des Wissenschaftslands Südkorea: Forscher der Universität Seoul behaupten, sie hätten voll funktionsfähige Stammzellen aus eigens zu diesem Zweck geklonten menschlichen Embryonen hergestellt. Als Sinn der Übung geben sie an, die Praxistauglichkeit der dazu erforderlichen Verfahren zu demonstrieren, damit eines Tages aus den Zellen eines Kranken über den Weg des Klonens Ersatzgewebe erzeugt werden kann, das ihm ohne Abstoßungsgefahr implantiert werden kann.
Die erste Pressekonferenz der asiatischen Wissenschaftler fand gestern Mittag in Seattle (um 20.00 Uhr MEZ) statt. Geschickt hatten die Chefs der American Association for the Advancement of Science (AAAS) diesen Termin an den Anfang ihres weltweit beachteten Jahrestreffens gelegt, um nun ja: um es noch ein bisschen weltweiter und beachteter zu machen. Schon die Veröffentlichung der heißen Ware im AAAS-Organ Science, punktgenau zum Konferenzbeginn, begleitet von allerlei werbenden Aussendungen, war ein PR-Coup, der die Konkurrenz (nämlich das Journal nature) einigermaßen piesacken dürfte. Zwar hält nature, gewiss nicht zufällig, in dieser Woche mit einer Publikation des Klon-Stars Rudi Jaenisch dagegen: Der hat Maus-Embryonen aus Riechneuronen hergestellt. Doch Science hat dem britischen Mitbewerber eindeutig die Schau gestohlen. Dazu hat gewiss beigetragen, dass die Geschichte kurz zuvor durchsickerte, und zwar über die südkoreanische "Joongang Ang Ilbo". Pfui dem, der Böses dabei denkt.
Donald Kennedy, der Chefredakteur von Science, räumte zwar ein, dass das koreanische Papier keinerlei neue Technik vorstelle; erstmals jedoch sei den Asiaten der Nachweis gelungen, dass die vorhandenen Techniken, geschickt kombiniert, zum therapeutischen Klonen prinzipiell geeignet seien. Vollkommen ausschließen mochte er wie auch die Autoren zwar nicht, dass die Seouler Stammzellen auf anderem Wege als dem des Klonens entstanden seien, aber letztlich sei das nicht sehr wahrscheinlich. Gefragt, ob das koreanische Experiment ein Rezept auch für das reproduktive Klonen ergebe, das nun überall umgesetzt werden könne, antwortete Kennedy sarkastisch: Nur insoweit, als das Fangen einer Schildkröte ein Rezept für Schildkrötensuppe ist. Ein lockerer Ton, der nicht recht zu der Auf- und Erregung passen will, die das Experiment weltweit hervorgerufen hat.
Über die ethische Bedeutung des koreanischen Vorstoßes gibt es zwar zur Zeit nichts zu sagen, was nicht schon gesagt worden wäre wie denn auch, Ethik entsteht ja nicht im Labor, sondern im Diskurs. Aber der Bericht in der neuesten Ausgabe von Science wirft schon Fragen auf. Insbesondere die: Wenn die 16 Frauen, die für die koreanischen Kloner ihre Eizellen gespendet haben, sich der hormonell belastenden Prozedur weder wegen einer Belohnung noch etwa deswegen unterzogen haben, weil sie reproduktionsmedizinisch behandelt wurden: weshalb dann? Zur höheren Ehre Südkoreas? Oder der Wissenschaft? Der Laborchef Woo Suk Hwang bedankte sich jedenfalls wortreich bei den Spenderinnen und gab zur Auskunft, man sei eher zufällig an sie geraten: Neugierige junge Damen seien es, die seine Website angesurft hätten, ein Wort gab das andere, und nach umfangreicher Aufklärung über sein Vorhaben seien sie begeistert eingestiegen. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht in einem Land, das so begeisterungsfähig ist wie Südkorea.
Auch Hwangs Stolz war unübersehbar. Zumal sein Wissenschaftsminister am Sonntag in Seattle eine Rede halten will: über Innovation. Womöglich interessiert sich ja das Kanzleramt in Berlin für den Text.
- Datum 12.02.2004 - 13:00 Uhr
- Serie cvd
- Quelle (c) DIE ZEIT
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