Klonen Ende einer unsinnigen Denkpause

Nach dem Experiment in Korea: Höchste Zeit, das Forschungsklonen weltweit zu regulieren

Koreas Kloner haben einem Thema neue Dringlichkeit verliehen, das im vergangenen November zunächst einmal um zwei Jahre vertagt worden war: die internationale Konvention über das Klonen menschlicher Zellen. Doch während der selbstverordneten „Denkpause“ ging es in den Seouler Laboren weiter, wie deren Chef stolz verkündet: „Wir kennen keinen Samstag und keinen Sonntag.“ Auch die Legislative war fleißig: Im Dezember beschloss das dortige Parlament das Verbot des reproduktiven Klonens und dieser Tage erarbeitet es ein Gesetz, um auch das Klonen menschlicher Zellen zu Forschungszwecken zu regulieren.

So eine Doppellösung fordert Südkorea auch für eine internationale Konvention und schließt sich damit einer Vorlage aus Belgien vom Spätherbst 2003 an. Damals sollten sich Deutschlands Diplomaten im Auftrag des Parlaments für ein Komplettverbot einsetzen; sie fanden Spanien und Polen an ihrer Seite, stießen aber auf den Widerstand der Briten sowie der asiatischen Neulinge auf der Biobühne. Der belgische Kompromissvorschlag scheiterte an Amerika, das eine von katholischen Staaten wie Costa Rica verfasste Radikallösung favorisierte.

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Wird jetzt, nach der Seouler Machbarkeitsstudie, die unsinnige diplomatische Denkpause abgebrochen? Bis zu den US-Wahlen tut sich erst einmal nichts, denn George Bush hat wenig Interesse daran, wie einst sein Vater die Stimmen der Katholiken zu verlieren – und ohne Teilnahme der größten Wissenschaftsnation der Welt wäre eine Konvention sinnlos. Denkbar ist aber, dass Amerika nach den Wahlen zur biopolitischen Realpolitik zurückfindet. Sogar, wenn der Präsident Bush heißen sollte. Die Wissenschaftsverbände und die meisten Universitäten des Landes fordern längst die belgische Lösung, der Kongress ist gespalten, und führende Medizin- und Bioethiker des Landes denken anders als ihr Präsident – am Montag dieser Woche beispielsweise zerpflückte ein Ethiker der National Institutes of Health auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Seattle genüsslich die Argumente gegen das reproduktive Klonen; das therapeutische Klonen, bemerkte er kurz, stelle ihn eh nicht vor ethische Probleme. Von Empörung im Saal keine Spur.

Die Zeit bis zum amerikanischen Wahltermin im November muss jetzt genutzt werden, eine kluge Konvention zu entwerfen. Sie sollte nicht nur das Reproduktionsklonen verbieten, sondern auch Mindestanforderungen dafür aufstellen, mit welchen Mitteln die Staaten dieses Verbot umsetzen. Es ist ja nicht so, dass die Grenzen zwischen dem reproduktiven und dem medizinisch forschenden Klonen fließend wären. Solange es keine künstliche Gebärmutter gibt (auch davon ist man weit entfernt), wäre für das Reproduktionsklonen stets die Beteiligung einer Mutter notwendig. Zu kontrollieren ist also, dass niemand versucht, einen geklonten Embryo zu implantieren; die Überwachung könnte Aufgabe von Inspektoren der WHO oder einer anderen internationalen Institution sein.

Dringlicher noch sind Regeln für das Forschungsklonen. Etwa für die Zusammensetzung und das Verfahren der Ethikkommissionen, für den Umgang mit den Eispenderinnen, für ein Monitoring in den Laboren. Kontrollmechanismen sind sehr wohl denkbar; man könnte auf Erfahrungen in den reproduktionsmedizinischen Zentren muslimischer Länder oder Israels zurückgreifen, wo im ersten Fall Geistliche, im zweiten freiwillige Helfer auf die Einhaltung religiöser Vorschriften achten. Außerdem müssen Regeln für den Fall aufgestellt werden, dass aus dem Klonen einmal Therapie wird: etwa dass nur Verwandte des Patienten Eizellen spenden dürfen (um der Gefahr zu wehren, dass eine Industrie daraus wird).

Derartige Normen zu entwickeln wäre eine Herausforderung an die biopolitische Kreativität, vielleicht auch eine schöne Aufgabe für den ins Vergessenwerden gleitenden deutschen Außenminister grüner Provenienz. Es wird jedenfalls keine Konvention geben, die jedes Klonen menschlicher Zellen verbietet und zugleich wahrhaft international ist. Möglich wäre aber eine, die einigen Verrückten das Handwerk legt und, was noch wichtiger ist, Regeln für die Gegenwart enthält.

 
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