biotechnik Klon des Erfolgs

Stammzellen aus Korea, Chimären aus China: Asiens Biotechniker wollen an die Weltspitze

Am Samstag, dem 2. August 2003, landet eine Maschine der Korean Air, aus Toronto kommend, auf dem Incheon International Airport westlich von Seoul. Einer der Passagiere wird von der Einwanderungsbehörde am Flughafen festgehalten. Raël, der von geklonten Menschen träumende Sektenguru und Gründer der Firma Clonaid, muss neun Stunden später mit Flug 703 in Richtung Montreal das Land wieder verlassen. Im Juli 2002 hatte Clonaid verkündet, man habe einer 26-jährigen Südkoreanerin ein geklontes Baby in den Uterus verpflanzt. Daraufhin wurde Clonaids koreanischer Ableger, die in Daegu residierende Firma Biofusion Tech, auf Druck der Regierung geschlossen.

Clonaid aber arbeitet weiter am Traum von der Kopie des Ichs. Auf seiner Homepage verkündet das Unternehmen stolz, am 5. Februar dieses Jahres sei in Australien das sechste Klonbaby zur Welt gekommen, Beweise für die ungeheuren Behauptungen ist Clonaid bis heute schuldig geblieben.

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4000 Anhänger soll Raëls Sekte in Südkorea haben. Hwang Woo-Suk und Moon Shin Yong von der Seoul National University gehören definitiv nicht dazu. Doch die beiden koreanischen Forscher erregten vergangene Woche weltweit Aufsehen mit der Ankündigung, erstmals tatsächlich menschliche Embryonen geklont haben. Anders als Raëls Jünger träumen Hwang und Moon nicht von rosigen Babys, sondern von Ersatzorganen für schwer kranke Menschen. Ihr Experiment stieß indes auf ein geteiltes Echo: Was den einen als lange erhoffter „Durchbruch“ bei der Züchtung embryonaler Stammzellen galt, war für andere schlicht ein „Tabubruch“.

Die beiden Forscher hatten 242 Eizellen von 16 Spenderinnen entkernt und ihnen die Erbinformation aus Körperzellen implantiert. 30 Blastozysten, vielzellige Hohlkugeln, wuchsen heran, aus deren Innerem die Koreaner Stammzellen entnahmen und kultivierten (siehe Grafik Seite 34).

Bei einem Frühstück sei er von dem Tiermediziner Hwang zu diesem Experiment eingeladen worden, erinnert sich der Frauenarzt Moon Shin Yong. „Ich sagte einfach nur: Yes, Sir.“ Dann ging – glaubt man den Forschern – alles ganz einfach. Sie hätten gar nicht erst versucht, freiwillige Eizellspenderinnen zu finden, berichtet Moon auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Seattle. „Jetzt, da das Internet in Korea sehr beliebt ist, sind einige junge Frauen neugierig auf reproduktives und therapeutisches Klonen geworden. Sie haben unsere Website gefunden, Kontakt mit uns aufgenommen und viele Fragen gestellt. Nachdem wir ihnen alles erklärt hatten, haben wir sie als Spenderinnen gewonnen.“

„In Südkorea brodelt es“

Und wer hat die Forschung bezahlt? „Es gab private Gelder, keine staatlichen“, sagt Moon, der Direktor des nationalen Forschungszentrums in Korea ist. Ob er die Firma nennen könne, wollen Journalisten wissen. Moon lacht: „Da muss ich meinen Kollegen fragen“, und beugt sich zu Hwang. Der kichert verlegen. „Die Firma hat mich mehr als zehn Jahre lang gesponsert, als ich mit dem Klonen von Tieren begonnen habe.“ Doch welche es ist, bleibt unbeantwortet: „No comment.“

Lange galt Südkorea den Bio-Tech- und Wirtschaftsexperten als unbeschriebenes Blatt. Das dürfte sich bald ändern. Denn der Erfolg von Hwang und Moon kommt nicht von ungefähr. Zielstrebig arbeitet Korea daran, auf vielversprechenden Forschungsfeldern wie der Biotechnik an die Weltspitze vorzustoßen. So hat die koreanische Regierung das Jahr 2001 zum „Jahr der Biotechnologie“ erklärt und fördert seither die Ausbildung von Nachwuchsforschern mit 270 Millionen Dollar. Mit drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Korea mittlerweile in Bildung und Wissenschaft investiert, nimmt das Land im internationalen Vergleich schon heute eine Spitzenposition ein.

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