biotechnik Unsterblich
Thailand möchte sich auf das therapeutische Klonen zur Gewinnung von Ersatzorganen spezialisieren. Jedoch fehlen in den Ministerien die Experten zur Kontrolle der Ethik-Richtlinien
Im Jahr 3 nach Dolly veröffentlicht der thailändische Schriftsteller Wimon Sainimnuan eine Novelle mit dem Titel Amata. Amata bedeutet in der Sprache des buddhistischen Kanons unsterblich.
Die Geschichte erzählt von dem mächtigen Geschäftsmann Prommin. Er ist besessen davon, sich klonen zu lassen. Seine Kopien sollen als Organspender die Unsterblichkeit des Tycoons sichern. Ein Forscher aus dem Westen lässt den Traum des Thailänders wahr werden. Doch einer der Klone schlägt aus der Art: Arjun entwickelt sich zu einem gläubigen Buddhisten und überedet den Forscher dazu, das Gehirn Prommins in seinen Körper zu verpflanzen. Was von Prommin übrig ist wird eingefroren.
Während der Forscher aus dem Westen überzeugt ist, nun lebe Prommins Geist in einem jungen Körper weiter, übernimmt Arjuns Herz im buddhistischen Glauben Sitz von Gedanken und Gefühlen die Kontrolle über das Hirnimplantat. Prommins Persönlichkeit ist im Gefrierfach gefangen, Arjun ist frei ein Treppenwitz kultureller Missverständnisse.
Auffällig an der Geschichte, sagt Jens Schlieter vom Institut für Indologie an der Universität Bonn, sei die enge Allianz von Big Business und Biotech. Und das Knowhow kommt aus dem Westen.
Auch seine Majestät Rama XI träumt vom Klonen. Der König von Thailand ist wie viele seiner Untertanen wissenschaftsbegeistert. Die Geburt des Klonschafs Dolly wurde von Forschern und Intellektuellen euphorisch gefeiert. König Rama träumt davon, seltene Tierarten vor dem Aussterben zu retten.
Sein Vizepremierminister hat ganz andere Pläne: Suwit Khunkitti kündigte im Juni 2003 den Bau eines Forschungszentrums an, das sich auf die Entwicklung des therapeutischen Klonens zur Gewinnung von Ersatzorganen spezialisieren soll. Das Zentrum soll Biotech-Firmen, vor allem solche aus den USA, in das Land locken. Die werben massiv um amerikanische Investoren, bestätigt Jens Schlieter. Aber auch mit Südkorea wurden umfangreiche Kooperationsverträge abgeschlossen. Die biomedizinischen Zentren des Landes haben sich im Großraum Bangkok angesiedelt oder sind an die großen Kliniken in Chiang-Mai im Norden des Landes angegliedert. Nicht nur das Geld, auch der Rohstoff ist vorhanden. Mehr als 3000 sogenannte überzählige Embryonen liegen in 25 reproduktionsmedizinischen Zentren bereit.
Unklar ist hingegen das Stand der Gesetzgebung und die Gültigkeit ethischer Richtlinien. Wie in vielen anderen Staaten existieren in Thailand konkurrierende Ethikräte. Sie residieren an Universitäten und Kliniken, im Gesundheitsministerium wie im Forschungsministerium.
- Datum 17.07.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT
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