Der Reformgang deutscher Universitäten ist komplex. So geht es beispielsweise um Fragen von Prioritäten in Lehre und Forschung, um organisatorische Neuerungen sowie die Stärkung universitärer Autonomie. Ein unverzichtbares Element jedoch sind Finanzierungsstrategien. Von daher war der therapeutische Anstoß, Elite-Universitäten auszuwählen und ihnen eine Sonderfinanzierung zu gewähren, wichtig, wenn auch aus meiner Sicht keineswegs das Medikament der Wahl. Ich plädiere für ein überzeugend einfaches Verfahren: einen Universitätsbonus bei der Vergabe von Fördermitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ganz bewusst bewege ich mich dabei innerhalb des Finanzrahmens, den Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn für das Projekt Elite-Universität angedeutet hat. Die Gelder müssen der DFG zusätzlich zur Verfügung stehen.

Ein solcher Bonus, "Overhead" genannt, ist vor allem aus der amerikanischen Forschungspolitik bekannt. Es handelt sich um einen Betrag, der auf die Summe des Forschungsprojektes aufgeschlagen wird. Dieses Geld kommt zunächst nicht dem Forscher direkt zugute, sondern dem Haushalt seiner Universität. Begründet wird der Overhead mit den Infrastrukturkosten (Bibliotheken, Labors, Rechenzentren und so weiter), welche die Universität dem Forscher zur Verfügung stellt. Ich schlage vor, dass etwas Vergleichbares in Deutschland zur Regel wird.

Konkret: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verteilt jährlich fast zwei Milliarden Euro. Auf alle im Peer-Review-System genehmigten DFG-Forschungsanträge wird automatisch ein Universitätsbonus von 10 Prozent addiert. Auf die genauen Zahlen kommt es hier nicht an. Die Zahl 10 ist nur deshalb als Beispiel gewählt, weil sie etwa 200 Millionen Euro im Jahr entspricht, also dem Betrag, der gegenwärtig in der Diskussion zur Sonderförderung von Elite-Universitäten gehandelt wird. Meine Erfahrungen in den USA legen nahe, dass der administrative Universitätsbonus eher bei 30 Prozent liegen sollte, wenn wir einem Teil unserer Universitäten eine echte Chance geben wollen, in der universitären Weltliga mitzuspielen.

Folgt man jedoch meinem Beispiel und überträgt es auf ein Fünfjahresprogramm, ergibt sich in der Gesamtsumme nach fünf Jahren immerhin für alle deutschen Universitäten ein Haushaltszuwachs von einer Milliarde Euro.

Das Förderungsinstrument des DFG-Universitätsbonus ist fair, aber es arbeitet nicht nach dem Gießkannenprinzip. Es basiert auf dem Prinzip der Chancengleichheit, in seiner Realisierung trägt es aber zu leistungsbezogener Differenzierung bei – und ist daher elitefördernd. Erfolgreiche und auch größere Universitäten erhalten im Durchschnitt größere Zuschläge. Bei einer jährlichen DFG-Drittmitteleinwerbung von 100 Millionen Euro durch Angehörige einer Universität sind dies für diese Universität 50 Millionen nach fünf Jahren.

Es wären also stattliche Beträge, die der jeweiligen Universitätsleitung überwiesen würden. Wie die Universitäten diesen DFG-Bonus verwenden, sollte ebenso zum Wettbewerb gehören. Dabei werden die meisten Hochschulen das zusätzliche Geld in die Verbesserung der forschungsbezogenen Infrastruktur investieren. Andere könnten sich dazu entschließen, ein Orchideenfach oder auch die Lehre zu befördern, so dies zu ihrem Spitzenprofil gehört oder gehören soll.

Was ist das Bestechende an diesem Verfahren?

Erstens: Es bleibt uns eine komplexe, neue Bürokratie der Selektion und Bewertung erspart, um die potenziellen Elite-Universitäten auszuwählen. Was man bei der DFG zusätzlich braucht, ist nichts anderes als ein Taschenrechner und die Kontonummer der entsprechenden Universität.