ZEIT: Wie sieht Ihre Utopie heute aus?

Mühl: Ich hab keine mehr. Ich versuche, eine Firma zu gründen, die nicht zugrunde geht. Vielleicht gelingt's. Den missionarischen Eifer haben wir aber abgelegt.

ZEIT: Kein Herr Missionsrat.

Mühl: Naaa, nix is.

ZEIT: Kein Häuptling mehr?

Mühl: Seid's ruhig, sonst hau i aich raus!

ZEIT: Von der zentralen Bedeutung der freien Sexualität sind Sie auch heute noch überzeugt?

Mühl: Ja. Man soll nicht eifersüchtig sein.

ZEIT: Eifersucht ist was?

Mühl: Wahnsinn. Man soll alles fahren lassen.

ZEIT: Ist Eifersucht ein Naturgesetz?

Mühl: Der nicht eifersüchtige Mensch ist der Mensch der Zukunft. Das glaube ich fest.

ZEIT: Wo kommt die Eifersucht her?

Mühl: Aus der Urzeit. Eifersucht ist die Schwester des Privateigentums.

ZEIT: Sind Sie nicht wegen Ihrer Lebenspraxis zu sieben Jahren Haft verurteilt worden?

Mühl: Als Kinderschänder. Das war Rufmord.

ZEIT: Aber Sie haben vor Gericht Drogenkonsum, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zugegeben.

Mühl: Der Anwalt hat uns geraten, alles zu gestehen. Ich bin kein Kinderschänder. Das ist doch Blödsinn. Das waren alles entwickelte Mädchen.

ZEIT: Die waren 13, 14 Jahre alt.

Mühl: Ja und? Karl der Große hat eine Zwölfjährige geheiratet. Eine habe ich ja angeblich sogar vergewaltigt. Das war aber nicht der Fall. Mir tut es leid, dass sie alle so zerstört worden sind. Sie sind mehr Opfer der Auflösung der Kommune als Opfer der freien Sexualität.

ZEIT: Sie betonen immer die Bedeutung von Kinderliebe und Erziehung für Ihre Arbeit. Sie haben aber kleine Kinder vor sich auf den Tisch gestellt, geschlagen und mit kaltem Wasser übergossen.

Mühl: Jetzt kommt noch so ein schreckliches Buch, in dem behauptet wird, ich hätte sie blutig gefickt und immer nur gefickt, gefickt. Ich weiß nichts davon. Diese Kampagne wird finanziert von einem Verein, der sich zur Rettung unserer Kinder gebildet hat. Der glaubt, wir täten die Kinder missbrauchen, sie könnten hier nicht aussteigen.

ZEIT: Die Bestrafungsaktion hat es also nicht gegeben.

Mühl: Ich kann mich nicht erinnern.

ZEIT: Bei Ihnen verbindet sich Sexualität immer mit Gewalt. Sie waren die sexuelle RAF.

Mühl: Um Gottes willen! Es war das Gegenteil. Es sind doch alle Frauen verrückt geworden nach mir! Ich war das männliche Vorbild für die Kinder. Die Frauen haben sie zu mir gebracht, wenn sie nicht klar kamen. Da hab ich ein besonders bockiges Kind auch mal angeschüttet, wie ich Erwachsene mit Joghurt überschüttet habe. Das war eine Materialaktion für mich.