Zeitgeschichte Ein Volk in der ZeitmaschineSeite 3/3
Man hat Knopp den Marcel Reich-Ranicki des Geschichtsfernsehens genannt. Da ist etwas dran. Wo Reich-Ranicki uns vor der Literatur beschützt (er fängt den Schund ab und rodet den Dschungel für uns), sorgt der chefärztlich seriöse Knopp dafür, dass uns unsere Vergangenheit nichts mehr tut. Er hat sie sediert. Sie wird nicht mehr ausbrechen.
Im ersten Film der neuen Serie, Der einsame Held (2. März, 20.15 Uhr) geht es um Georg Elser. Der härteste Satz, der darin über das deutsche Volk gesprochen wird, lautet: „Die Mehrheit der Deutschen lässt sich blenden.“ Wir haben begriffen: Das Knopp-Erinnern ist das schonendste Erinnern, das wir kriegen können. Wenn wir schon an die Vergangenheit gefesselt sind, dann bitte in den Wollfesseln des Guido Knopp.
Man erinnert sich, um zu vergessen, lautet eine These Freuds. Da eine solche Strategie für die Deutschen nicht statthaft ist, wählen sie gern eine Art der Erinnerung, die dem Vergessen nahe kommt. Es ist die Erinnerung als Zerstreuung.
Am Ende des zweiten Films der neuen Serie, Verpasste Chancen (9. März) versucht Rittmeister Eberhard von Breitenbuch, den „Führer“ zu erschießen. Aber er wird zu Hitler nicht vorgelassen. Wolken jagen über den Obersalzberg. Und Robert Redford spricht das Schlusswort: „Schon bald wird ein neuer Plan entstehen, Hitler zu töten.“
Vielleicht klappt’s ja in der nächsten Folge. Ein Vorschlag ans ZDF: Lasst das Publikum abstimmen. Liebe Zuschauer, soll Hitler nächste Woche einem Attentat zum Opfer fallen? Wir sind gespannt.
- Datum 26.02.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 26.02.2004 Nr.10
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