Ich habe einen Traum "Wie wär's mit einem Film ohne Film?"Seite 2/2

Wenn ich eine Sache gern los wäre, dann wäre es meine Armbanduhr. Nicht nur die an meinem Handgelenk, sondern vor allem die, die ständig in mir tickt, wenn ich einen Film mache. Diese Uhr wird in deinem Kopf immer größer und größer. Sie tyrannisiert dich. Es fängt an mit der Uhr des Drehplans. Wenn man filmt, tickt dieser riesige Zeiger den ganzen Tag. Im Schneideraum versucht man dann, alles, was man hat, in eine bestimmte Länge zu bringen. Die Dringlichkeit der Uhr ist immer dabei. Dann ist da die Paradoxie der verschiedenen Zeitebenen: Ich habe über vier Jahre lang an Cold Mountain gearbeitet. Die Zuschauer sehen den Film in zweieinhalb Stunden.

Ich stelle mir eine Uhr vor, wie sie Salvador Dalí gemalt hat. In meinem Filmtraum ist Zeit irrelevant, und alles ist elastisch.

Der Zwang zur Klarheit, der mit einem großen Film mit großem Budget einhergeht, löst bei mir einen gewissen Trotz aus. Vermutlich sind die meisten Träume ein Gegenmittel, eine Argumentation gegen das eigene Ich. Ich bin zum Beispiel fasziniert von einer Art des Schreibens, die niemandem gefallen will. Ich bin fasziniert von der Vorstellung, diesem Trotzimpuls nachzugeben und jegliches anständige Verhalten abzuschütteln, in jeder Hinsicht.

Es ist allerdings bezeichnend für meine Persönlichkeit, dass meine Träume oft sehr vernünftig sind. Einen Film mit besonders ehrgeizigen Ideen und Strukturen würde ich mit sehr wenig Geld machen, sodass es nicht so viel ausmacht, wenn ich das Ding in den Sand setze. So ein Projekt könnte auch meinen Stoffwechsel etwas beschleunigen. Jeder meiner Filme dauert noch länger als der vorangegangene. Ich würde gern einen ganz anderen Film nach einer ganz anderen Uhr machen. Die flüssige Uhr von Dalí wäre immer noch der Maßstab, aber sie würde sehr viel schneller ticken.

Ich habe einen wiederkehrenden Traum, der von Zeit und Verantwortungslosigkeit handelt. Als Student lebte ich in Yorkshire in einem winzigen Haus. Ich träume manchmal, dass ich immer noch für dieses Haus zuständig bin und es im Stich gelassen habe. In den Jahren seit meiner Studentenzeit ist dieses Haus verfallen. Der Garten ist verwahrlost, an den Decken und Wänden wächst der Schimmel. Es ist in einem erbärmlichen Zustand, die Nachbarn sind wütend, und ich selbst bin außer mir, weil ich dieses Haus völlig vergessen habe und weil ich mich kein bisschen darum gekümmert habe. Wie konnte ich das nur geschehen lassen? Es ist einfach furchtbar.

Diesen Traum habe ich immer häufiger zum Ende eines großen Projekts hin, wenn mir klar wird, wie viele Häuser verwahrlost sind, weil ich so lange weg war. Man verschiebt sehr viel Verantwortung, wenn man einen Film macht. Man kann sich nicht um alles kümmern, und so opfert man am ehesten die wichtigsten Dinge im Leben, Freundschaften zum Beispiel – einfach, weil sie nicht so laut protestieren.

Das bin ich: ein gefallener Katholik. Schuld. Schuld. Schuld. Schuld.

Aufgezeichnet von Miranda Robbins


 
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