atomkraft Stunde der NebelwerferSeite 3/3

Doch die Verengung der Risikodiskussion auf Luftangriffe ist absurd. „Kundige Terroristen können Reaktoren auch vom Boden aus gefährden“, sagt Michael Sailer, Chef der Reaktorsicherheitskommission. Details dürfe er nicht nennen, und konkrete Abschätzungen, wie hoch das Risiko eines Luftangriffs auf ein deutsches Kernkraftwerk im Vergleich zu anderen Attacken ist, gebe es mangels fundierter Zahlen nicht.

Klar ist jedoch, dass die Industriegesellschaft viele andere extrem verletzliche Ziele bietet. Ob Vergiftungen weitgehend offener Trinkwassersysteme, Angriffe auf Staudämme, riesige Gas- oder Benzintanks, belebte Verkehrsknoten, Großereignisse wie die Love Parade in Berlin oder die Ostermesse in Rom – „wer möglichst hohe Opferzahlen anstrebt, findet lohnendere Ziele als Kernkraftwerke“, sagt der Risikoforscher Ortwin Renn von der Universität Stuttgart. Soll also die Champions League ohne Publikum spielen, damit kein Jumbo ins Stadion fliegt? Soll der Bundestag in den Bunker?

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Weltweit wurde bisher kein Kernkraftwerk wegen Terrorgefahr stillgelegt. Selbst in den USA blieben die Atommeiler nach dem 11. September am Netz. „Wir waren nie der Ansicht, dass Flugzeuge die größte Gefahr sind“, sagt Steve Kerekes vom Nuclear Energy Institute. Stattdessen sorgt man sich um die Sicherheit am Boden, das Wachperpersonal sei um 30 Prozent aufgestockt worden.

Der Risikoforscher Wolfgang Kröger von der ETH Zürich, der selbst einmal am Sicherheitskonzept unterirdisch gebauter Kernkraftwerke gearbeitet hat, lobt die pragmatische Vorgehensweise in den USA, dort zögen Behörden und Stromerzeuger an einem Strang. Erfüllt ein Kernkraftwerk neueste Sicherheitsvorschriften, dann wird seine Laufzeit um zwanzig Jahre verlängert – ein mächtiger Anreiz für Investitionen. „Ich wünschte, in Deutschland würde ähnlich pragmatisch und weniger ideologisch gehandelt“, sagt Kröger.

Hierzulande aber haben vor allem Nebelwerfer Konjunktur.

[Abstract]

 
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