Von Stefan Zimmermanns Arbeitsplatz träumen viele junge Wissenschaftler: Der deutsche Ingenieur forscht an der University of California in Berkeley, einer jener amerikanischen Eliteuniversitäten, die in der deutschen Hochschul-Debatte stets als leuchtendes Vorbild dargestellt werden. Doch Zimmermanns Traum geht gerade in die entgegengesetzte Richtung: Er will wieder zurück in die Heimat. Er ginge nicht aus Not, eine Stelle würde er in den Vereinigten Staaten schon finden. Dennoch möchte der 33-Jährige in Zukunft lieber in Deutschland "oder doch wenigstens in Europa" arbeiten. Nach drei Jahren in den USA weiß er, dass er in diesem Land niemals heimisch werden kann.

Mit diesem Gefühl steht Zimmermann nicht allein. "Viele junge Wissenschaftler aus Deutschland wollen zurück", weiß der Ingenieur aus zahlreichen Gesprächen im Bekanntenkreis. Die einen sind enttäuscht, weil die amerikanischen Eliteuniversitäten nicht immer halten, was ihr großer Name verspricht, andere zieht es aus privaten oder politischen Gründen in die Heimat. Zwar gehört der Aufenthalt an einer amerikanischen Hochschule, insbesondere für Naturwissenschaftler, mittlerweile in den Lebenslauf wie Veröffentlichungen in guten Fachzeitschriften. Doch anders als hierzulande vermutet, träumen längst nicht alle deutschen Jungforscher von einer Karriere im amerikanischen Exil.

Die Kehrseite der Freiheit

Viele haben nach zwei bis drei Jahren genug vom amerikanischen Way of Life. Sie wollen nicht auf Dauer in einem Land leben, in dem in einigen Fächern bis zu 80 Prozent des Forschungsbudgets vom Militär kommen, in dem Bankangestellte nicht wissen, was ein Euro ist, oder in deren Schulen die Kreationisten die Schöpfungsgeschichte der Bibel wörtlich nehmen und gegen Charles Darwin und andere Aufklärungsgüter mobil machen.

"Mein Aufenthalt hat meine Vorstellung über die amerikanische Gesellschaft gründlich zurechtgerückt", sagt Perihan Nalbant, eine promovierte Zellbiologin aus Recklinghausen mit den Muttersprachen Türkisch und Deutsch. Sie sei in Deutschland in einer offenen, liberalen Gesellschaft aufgewachsen. "Meine Schulzeit war geprägt von europäischen Werten wie Meinungsfreiheit, Liberalität und Vorsicht im Umgang miteinander" – und so hatte sie sich auch die Vereinigten Staaten vorgestellt. Doch heute sieht Nalbant das gelobte Forscherland USA ernüchtert als Nation, die von "sehr konservativen Werten und einem gefährlichen Patriotismus" geprägt ist.

Im Gegensatz zu vielen, die akademischer Reeducation das Wort reden, haben die Transatlantiker eines erkannt: Amerika ist zwar gut geeignet als Spiegel für die eigenen Verhältnisse, nicht jedoch als Kopiervorlage. Selbst die unbestrittenen Vorteile der US-Forschung wie Freiheit und Flexibilität haben eine Kehrseite. Nach drei Jahren fühlt sich Perihan Nalbant in ihrem kalifornischen Spitzeninstitut wie in einer "Durchgangsstation". Ihre Kollegen bleiben alle nur so lange, wie ihr jeweiliges Projekt läuft. Es gibt kaum fest Angestellte, die eine Kontinuität gewährleisten.

Und die Grundausstattung entspricht selbst an Eliteuniversitäten oft nicht dem Standard, den deutsche Forscher von zu Hause gewöhnt sind. Die Werkstätten etwa in Berkeley, der Nummer eins in physikalischer Chemie in den USA, seien nur "fast so gut" wie in Deutschland, sagt die gebürtige Koreanerin Song-I Han, die in Köln promoviert hat. Wer wirklich gutes Labormaterial braucht, bestellt auch in den USA bei Schott und Eppendorf.

Doch die Rückkehr nach Deutschland ist gar nicht so einfach. Denn das Jobangebot für die Heimkehrer ist meist dünn und der Stellenmarkt wenig transparent. Zudem sind nach zwei bis drei Jahren im Ausland die Kontakte in die Heimat vielfach eingeschlafen. Auch untereinander kennen die Teilzeitamerikaner sich nicht, es fehlen ein Netzwerk für den Informationsaustausch und häufig auch schlicht einschlägige Bewerbungserfahrungen.