Computerspiele Ballern für den rechten Glauben an GottSeite 2/2
Das klingt fast wie Psychotherapie per Computerspiel: In ihrem Spiel Eternal War muss man die Seele eines „troubled Teenager“ namens John Coronado retten. Der an der Welt verzweifelnde Johannes lebt verloren in Ängsten und Albträumen und steht kurz vor dem Selbstmord. Der Spieler ist ein Engel, den Gott zur Rettung schickt und der gegen überall lauernde Dämonen kämpfen muss.
Auch in Saints of Virtue kämpft man um eine arme Seele, in diesem Fall allerdings um die eigene. „Die Reise ist beschwerlich und lang, aber du trägst die Rüstung Gottes, die dir helfen wird“, wirbt die Firma Shine Studios für ihr Spiel. Dabei muss man unter anderen im „New Age Nirwana“ oder im „Amphitheater der Apathie“ gegen gottlose Gegner antreten. Die Vorstellungswelt, die Saints of Virtue zugrunde liegt, ähnelt in vielem dem Weltbild, das von christlichen Fundamentalisten in den USA gepflegt wird. „Du wirst“, heißt es in der Beschreibung des Spiels, „mit Bereichen konfrontiert werden, die von Weltlichkeit, Verzweiflung, Einsamkeit und den Medien geprägt sind. Du musst diesen Ablenkungen vom christlichen Weg widerstehen.“
Diese Spiele können freilich in Grafik und Gestaltung der Figuren nicht mit kommerziellen Großproduktionen wie Half-Life konkurrieren. An denen arbeiten inzwischen Teams von bis zu 50 Programmierern und Gestaltern mit Millionenbudgets. Bei Eternal War waren es gerade mal zwei Programmierer, die einen Kredit bei der Freundin des einen aufgenommen hatten. Um Gottes Gnade, die einem am Ende des Spiels in Form von bunten Lichtblitzen begegnet, wirklich erhebend zu finden, braucht man schon einen recht tiefen Glauben.
- Datum 04.03.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 04.03.2004 Nr.11
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