DIE ZEIT: Im Bundestag gab es gerade eine große Afrika-Debatte. Im Januar bereiste der Kanzler erstmals seit seinem Amtsantritt den Kontinent. Will die Bundesregierung Afrika künftig ernster nehmen?

Heidemarie WIECZOREK-ZEUL: Richtig ist, dass es seit einiger Zeit eine neue Dynamik in Afrika gibt: Eine Reihe reformwilliger Staaten will Verantwortung übernehmen für die Entwicklung des Kontinents und hat die Initiative Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung gegründet. 20 Länder haben sich zu Korruptionsbekämpfung und guter Regierungsführung verpflichtet und wollen sich in einem so genannten Peer Review gegenseitig überprüfen. Gerade hat die Afrikanische Union die Einrichtung eines Menschenrechtsgerichtshofes beschlossen. Das alles sind Riesenfortschritte! Wir unterstützen Länder, die diese Eigenverantwortung ernst nehmen.

ZEIT: In den vergangenen Jahrzehnten ist Afrika vor allem von den eigenen Eliten ausgebeutet worden. Warum glauben Sie trotzdem an Peer Review? Die Nachsicht Südafrikas mit dem simbabwischen Diktator Mugabe lässt nicht gerade hoffen.

WIECZOREK-ZEUL: Simbabwe ist ein schreckliches Problem. Darauf hat der Kanzler bei seinen Gesprächen in Südafrika wieder hingewiesen. Aber Entwicklungsminister sind Optimisten. Und im Ernst: Die Vorstellung, wir könnten von außen das Glück nach Afrika bringen, führt in die Irre. Langsam setzt sich auch bei den politischen und wirtschaftlichen Führungsgruppen in Afrika die Einsicht durch, dass sie selbst verantwortlich sind für die Zukunft ihrer Länder. Kaum ein Unternehmen wird dort investieren, wo es kein funktionierenden Justizsystem gibt. In vielen Staaten Afrikas entwickelt sich eine Zivilgesellschaft, die Forderungen an die eigene Regierung stellt.

ZEIT: Seit dem 11. September ist das Interesse an Afrika gestiegen, weil zerfallende Staaten ideale Rückzugsgebiete für Terroristen sind. Im Auswärtigen Amt und im Verteidigungsministerium wird neuerdings offen über Bundeswehreinsätze in Afrika gesprochen.

WIECZOREK-ZEUL: Natürlich kann unser Nachbarkontinent uns auch aus Sicherheitserwägungen nicht gleichgültig sein. Bis zum Jahr 2010 bauen die afrikanischen Länder eigene Friedenstruppen auf. Dabei unterstützen wir sie. Aber klar ist auch: Es kann Situationen geben, in denen deutsche Soldaten unter UN-Mandat mit eingreifen müssen. Denken Sie an Ruanda vor zehn Jahren. Wenn die UN in einem solchen Fall ein Mandat geben, dann müssten wir mithelfen, einen Völkermord zu verhindern. Das ist für mich eine Frage des Gewissens. Deshalb habe ich mich im letzten Jahr so für den Einsatz im Kongo stark gemacht.

ZEIT: War die EU-Truppe im Kongo nicht pure Kosmetik? Wo die Soldaten nicht standen, ging das Morden weiter.