Die englische Polizei richtete bislang eine zwei Dutzend Mann starke Sondertruppe ein. In Staffordshire, der Grafschaft, in der die Farmen der Halls liegen, sind sieben Beamte zur Überwachung der Antivivisektionisten abgestellt. Sie kontrollieren die zwei- bis dreimal wöchentlich vor der Einfahrt zum Hall-Hof abgehaltenen Demonstrationen auf die feine englische Art. Krachmachen ist erlaubt, aber nicht mit Trommeln. Niemand sagt etwas, als Demonstranten die Halls über Lautsprecher obszön verleumden. Als sie jedoch ein Spruchband ausbreiten, das die Meerschweinchenzucht mit Auschwitz vergleicht, interveniert ein Constable. Das verstoße gegen Artikel 42 des Gesetzes zur Aufrechterhaltung öffentlicher Ordnung.

Um die 30 Demonstranten sind an diesem Nachmittag gekommen, die meisten davon Profis aus der radikalvegetarischen Antiglobalisierungsszene, aber auch einige ältere Damen. Eine vertraut Johnny (dem Rädelsführer auf dem Riverside-Parkplatz) in einem Briefumschlag eine 20-Pfund-Note an. "Gott vergelt’s", bedankt er sich fröhlich.

Neil Lea, Gründervater der ALF, ist zu Hause geblieben. Er ist an einen Rollstuhl gefesselt. Er lebt mit einer verpflanzten Niere – Ergebnis einer Operationstechnik, die mit Tierexperimenten entwickelt wurde, genauso wie die bei Verpflanzungen notwendige Medikation. Das ist kein Grund für seine Partnerin Mary, von den fundamentalistischen Argumenten der ALF abzurücken. Ohne Tierversuche wäre die Transplantationstechnik viel schneller entwickelt worden, behauptet die Oxford-Absolventin. Und: Die Ärzte seien verblüfft, dass Neil Lea ohne das in seinem Zustand eigentlich notwendige Insulin auskäme; das schrieben sie allein seiner vegetarischen Ernährung zu.

In Marys Welt gibt es keine Schattierungen. Gier und Korruption, das sei die Verderbtheit der Erwachsenen. Das Gute spricht aus Kindermund. Sie hat ihren siebenjährigen Sohn mitgebracht. Der weiß jetzt schon, dass er nie in seinem Leben Fleisch essen wird. Warum? – "Weil ich nicht will, dass Tiere getötet werden", plappert er brav, als die Mutter ihn, zur Aufklärung des lauschenden Reporters, verhört.

Am 24. April wollen die Antivivisektionisten den "Welttag der UN für Labortiere" mit einer Großdemonstration vor der Farm der Halls begehen. Erkundigt man sich allerdings im Hauptquartier der Weltorganisation nach dem "Welttag für Labortiere", bekommt man zur Antwort: "Den gibt es im Kalender der Vereinten Nationen nicht."