Das Urteil wurde mit Spannung erwartet. Der Fall ist spektakulär: Stattliche 9000 Euro sollte eine Mutter für ihren minderjährigen Sohn an die Telefongesellschaft Berlikomm zahlen. Der junge Surfer hatte sich versehentlich aus dem Internet einen Dialer heruntergeladen. Das sind kleine Programme, die das Bezahlen im Netz erleichtern - solange sie vorschriftsmäßig arbeiten. Betrüger aber missbrauchen sie, um skrupellos abzukassieren.

Viele Wochen lang hatte denn auch dieser Dialer bei jeder neuen Einwahl ins Netz unbemerkt eine teure 0190-Nummer aktiviert. Dahinter steckte ein Betreiber, der in Spanien geortet wurde. Die regionale Telefongesellschaft Berlikomm fungierte als Geldeintreiber. Ihre Klage landete beim Bundesgerichtshof. Der wies vergangene Woche die Revision zurück und stoppte damit die dreiste Abzocke. Ein Signal an alle Netzbetreiber: Die Frau muss nur jene Gebühren zahlen, die dem normalen Online-Tarif entsprechen. "Das wird große Auswirkungen auf alle weiteren Streitigkeiten haben", sagt Rechtsanwalt Christlieb Klages aus Berlin, der Anwalt des Dialer-Opfers. Und Streit gibt es jede Menge.

Fast 500 000 Dialer sind bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation inzwischen registriert. Gerade erst musste die Behörde wieder gegen einen Anbieter vorgehen. Sie verbot der Firma Hanseatische Abrechnungssysteme GmbH (HAS), rückwirkend vom 15. August 2003 an, Rechnungen zu erstellen und Gebühren zu kassieren.

Nach zahlreichen Verbraucherbeschwerden war die Behörde darauf gestoßen, dass HAS einen rechtswidrigen Dialer verwendet. Sie kassiert 69,96 Euro für die Möglichkeit, einen Monat lang ein Erotik-Internet-Portal zu nutzen. Das Angebot läuft nicht über eine 0190er-Ziffernfolge, sondern über eine ganz normale Telefonnummer in Frankfurt (069/42 72 69 98). Der Dialer übertrage die Telefonnummer des Nutzers und spioniere zugleich dessen Daten aus, so die Behörde. Mehr als 100 000 Rechnungen sollen bereits versandt worden sein.

Seit Mitte Dezember dürfen Dialer nur noch über die Rufnummer 0900-9 betrieben werden. Offensichtlich ließen zu viele Online-Kunden die 0190 sperren, um nicht in eine Gebührenfalle zu tappen. Das aber gefährdet das boomende Geschäft mit den so genannten Mehrwertdiensten, die auch via Telefon in Anspruch genommen werden können. Die neue Regel schützt zwar nicht vor Missbrauch, macht es aber möglich, Dialer ganz gezielt auszusperren, ohne gleich alle elektronischen Service-Angebote zu blockieren.