irrenführung Ein irres GlückSeite 4/4
Vor kurzem wurde die neue Aufnahmestation eröffnet, vor Vertretern von Politik und Medien. Nun sieht man an der Auffahrt der Klinik nicht mehr nur einen Bunker, sondern auch ein Schild: »Territorialdienst für seelische Gesundheit«. Mit der neuen Aufnahmeabteilung soll die Hospitalisierung der Patienten von Anfang an verhindert werden. Sie sollen nicht lange in der Anstalt bleiben, weil sie selber krank macht. Deswegen gibt es nur acht Betten. Die familiäre Situation wird durch Hausbesuche geklärt. Die Pfleger können sich nicht mehr in ein besonderes Zimmer zurückziehen, sondern müssen in den Aufenthaltsräumen bei den Patienten bleiben. Die Einrichtung ist neu möbliert worden. Insassen aus anderen Abteilungen kommen, auch wegen der Wärme. Denn dieser Winter ist sehr kalt. Ein Patient sagt: »Leute, hier heilt dich schon die Umgebung.« Die Bettenzahl der alten Psychiatrie soll verkleinert werden.
Der Kulturschock der Sommerferien wirkt weiter. Eine Patientin, die über ein Jahr in einer Zelle eingesperrt war und sie zertrümmerte, lebt nun unter den anderen. Schwierig ist sie noch immer. Aber ihre Zelle ist für immer verwaist. Das nationale Fernsehen berichtet über Valona. Die WHO organisiert Kampagnen in den Schulen und fördert Fotoausstellungen über die Psychiatrie. Die Regierung in Tirana schmückt sich mit dem Programm. Schließlich beweist es, dass nun Moderne und Fortschritt auch nach Albanien gekommen sind. Der italienische Staat zahlt 150000 Dollar, keine große Summe für ein besseres Leben.
Agron Fatmir mit den blauen Augen, dem sein Bruder so übel mitspielte, macht jetzt Pläne. Er redet davon, sich eine Arbeit zu suchen als Zimmermann. Bei 30 Prozent Arbeitslosigkeit wird das nicht leicht sein. Aber dieses Problem hat nichts mehr mit der Psychiatrie zu tun.
- Datum 11.03.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 11.03.2004 Nr.12
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