Vor zwei Jahren – am 11. März 2002 – ist Marion Gräfin Dönhoff gestorben. Um das Andenken an die frühere Chefredakteurin und langjährige Herausgeberin der ZEIT wachzuhalten, haben die ZEIT, die ZEIT-Stiftung und die Marion Dönhoff Stiftung den "Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung" eingerichtet. Er wird jährlich verliehen.

Der Preis geht an "Menschen, die wissen, worum es geht" – so der Titel eines ungeheuer erfolgreichen Buches der Gräfin, das sie vor 28 Jahren schrieb. Darin schilderte sie Menschen, die ihr Eindruck gemacht haben. "Sie haben alle eins gemeinsam", schrieb sie im Vorwort: "Sie sind ganz echt – sie lassen sich nicht vom Zeitgeist oder von Werbeagenturen stilisieren. Sie machen keine Konzessionen an Publikum, Mode, Karriere. Sie sind ohne Furcht. Sie folgen ihren eigenen Maßstäben und ihrer Intuition."

Für die Jury des Dönhoff-Preises hat die Gräfin damit verbindliche Maßstäbe festgelegt. Zu den Juroren zählen Vertreter der ZEIT und der beiden Stiftungen, daneben einige langjährige Weggefährten: der Soziologe Lord Dahrendorf, der deutsch-amerikanische Historiker Fritz Stern, Bundeskanzler a. D. und ZEIT- Mitherausgeber Helmut Schmidt, Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker und Janusz Reiter, den Marion Dönhoff 1979 als Hospitanten zur ZEIT holte und der nach der Wende 1989/90 Polens erster Botschafter in der Bundesrepublik wurde.

Im vergangenen Jahr ging der mit 20000 Euro dotierte Hauptpreis an Rupert Neudeck, den Gründer und ersten Vorsitzenden der Hilfsorganisation Cap Anamur. Sie rettete Vietnamflüchtlinge, kümmerte sich um Minenräumung in Angola, unterhält Krankenhäuser in den Notstandsgebieten der Welt und leistet Nahrungsmittelhilfe in vielen notleidenden Ländern. Neuerdings leitet Neudeck die von ihm gegründete Hilfsorganisation Grünhelme. Mit dem Förderpreis in Höhe von 10000 Euro werden Aktionen und Projekte ausgezeichnet, die der Versöhnung zwischen den Völkern dienen. Im Jahre 2003 ging er an den Verein Heimstatt Tschernobyl, der auf vielfältige Weise den leidgeplagten Menschen der verstrahlten Zone hilft. Der Theologe Dietrich von Bodelschwingh nahm den Dönhoff-Preis für seinen Verein in Empfang.

Nun werden die Preisträger des Jahres 2004 gesucht. Wiederum bitten wir die ZEIT-Leser, uns "Menschen, die wissen, worum es geht" für den Dönhoff-Preis vorzuschlagen. Zugleich können sie Projekte nennen, die im Sinne der Namenspatronin förderungswürdig sind.

Die Preise werden am ersten Advent, dem 28.November 2004, verliehen. Wir bitten, Vorschläge bis zum 30. April 2004 einzureichen, damit der Jury ausreichend Zeit bleibt, die eingegangenen Nominierungen gründlich zu sichten und zu sieben. Ihre Vorschläge adressieren Sie bitte an Irene Brauer, DIE ZEIT, Speersort 1, 20095 Hamburg.