Die Spekulationsteuer auf Wertpapiergeschäfte ist verfassungswidrig - und doch gesetzeskonform. Am Dienstag kippte das Bundesverfassungsgericht nur die Regeln der Jahre 1997 und 1998. Damals habe der Fiskus kaum Chancen gehabt, Steuersünder aufzuspüren - wer also brav zahlte, war der Dumme. Inzwischen würden die Ämter genau prüfen, heißt es im Finanzministerium. Für die Verfassungsrichter war daher klar: Die Steuer kann bleiben.

Ehrliche Zahler aber sind weiter angeschmiert.

Tatsächlich ist der Fiskus auch heute mit Kontrollen überfordert - der Bundesrechnungshof etwa kritisierte jüngst, dass Finanzbeamte verschwiegenen Gewinnen noch immer kaum auf die Spur kommen. Zudem sperren sich viele Banken, wenn es darum geht, Steuerhinterzieher zu benennen.

Deshalb gibt es nur eine Lösung für mehr Gerechtigkeit: die einheitliche Abgeltungsteuer auf Zinsen und Dividenden, die direkt von der Bank ans Finanzamt überwiesen wird - und die auch Spekulationsgewinne umfasst. Betrug wäre damit ausgeschlossen. In der SPD freilich ist die Abgeltungsteuer schwer durchsetzbar, weil Reiche den gleichen Steuersatz zahlen wie Normalbürger.

Und auch im neuen Konzept der Union kommt sie nicht vor. Allen Gegnern aber sei eine Zahl vorgehalten: 1,5 Milliarden Euro. So viel Geld, schätzt die Steuergewerkschaft, geht dem Finanzamt durch Steuersünder verloren. Und zwar jährlich.