Einstein hätte den ganzen Rummel wohl mit der ihm eigenen ironischen Gelassenheit aufgenommen. Schließlich war der große Physiker auf Ehrungen nicht sonderlich erpicht und kommentierte das Getue um seine Person zu Lebzeiten mit dem Stoßseufzer, jeder Piepser werde bei ihm zum Trompetensolo. Ein knappes halbes Jahrhundert nach seinem Tod ist aus jedem Solo längst eine Symphonie geworden. Und nun werden die Hymnen auf den Schöpfer der Relativitätstheorie noch einmal hundertfach verstärkt, gebrochen, reflektiert und digitally remastered, bis sie schließlich in einem gewaltigen (vermutlich kakofonischen) Tutti im "Einstein-Jahr 2005" kulminieren.

Den Anfang macht dieser Tage die Stadt Ulm, wo der Physiker am 14. März 1879 zur Welt kam. Das wollen sich die Stadtväter nicht entgehen lassen. Der 125. Geburtstag des Schwabensprosses wird mit zwei Einstein-Ausstellungen, Einstein-Vorlesungen, einem philosophischen Einstein-Salon, Einstein-Stadtführungen, dem Einstein-Schülerwettbewerb, einem Festakt in Anwesenheit des Bundespräsidenten und einer eigens komponierten Einstein-Oper gefeiert.

Dabei verbrachte der Weltbürger ganze 15 Monate, die ersten seines Lebens, in Ulm. Späteren Vereinnahmungsversuchen widersetzte er sich mit höflicher Distanziertheit. So schrieb er über sein Geburtshaus in der Bahnhofstraße 20: "Zum Geborenwerden … recht hübsch, denn bei dieser Gelegenheit hat man noch keine so großen ästhetischen Bedürfnisse." 1922, nachdem Einstein den Nobelpreis erhalten hatte, benannte der Ulmer Gemeinderat zu seinen Ehren eine Einsteinstraße. Als die Nationalsozialisten sie später in Fichtestraße umtauften und die besiegten Deutschen dies schamvoll wieder rückgängig machten, meinte der Physiker nur trocken: "Ich glaube, ein neutraler Name, zum Beispiel ,Windfahnenstraße‘, wäre dem politischen Wesen der Deutschen besser angepasst und benötigte keine Umtaufen im Laufe der Zeiten."

Da wirkt es fast ein wenig wie Häme, wenn die Stadt Bern, die ebenfalls eine große Ausstellung vorbereitet, mit einem ganz besonderen Stück wirbt – jenem Pass, der Einstein als Schweizer Bürger ausweist. Für 93000 Franken hat das Historische Museum das Dokument erworben, das daran erinnert, dass Einstein auf die deutsche Staatsbürgerschaft gerne verzichtete.

Das wird die Deutschen jedoch nicht hindern, ihn im nächsten Jahr ganz zu einem der Ihren zu machen. Dann jährt sich zum 100. Mal das "Annus mirabilis" 1905, als der Berner Patentangestellte gleich fünf wissenschaftliche Arbeiten verfasste, die das Weltbild der Physik revolutionierten – er erklärte die Natur des Lichts, entwarf die Relativitätstheorie und formulierte die wohl berühmteste Formel der Wissenschaft, E = mc2.

2005 wird man sich, so viel steht fest, vor Einstein-Feierlichkeiten nicht retten können. Zum Glück hat das Magazin Time den Welt-Physiker vorsorglich schon 1999 zum "Mann des Jahrhunderts" ausgerufen.