Peter Eisenman, der Architekt des Berliner Holocaust-Mahnmals, hat sich einen Scherz im Kreis des Denkmal-Kuratoriums erlaubt. Sein New Yorker Zahnarzt, erzählte Eisenman, hatte von dem Streit um die Baubeteiligung der Firma Degussa gehört und ihn gefragt, ob er ihm angesichts der gereizten deutschen Debatte anlässlich der Stelen-Beschichtung mit "Protectosil" (einem Degussa-Produkt) nicht besser die Degussa-Amalgame (also: kein Gold) aus seinen Zähnen herausnehmen solle. Großes Gelächter. Nur Lea Rosh und Alexander Brenner, der Vertreter der jüdischen Gemeinde zu Berlin, lachten nicht, sondern verließen im Protest die Kuratoriumssitzung. Dann warfen sie das gute alte Empörungsmaschinchen an: "Zynisch", "perfide", "unerträglich", "makaber" seien Eisenmans Einlassungen, und man sei "zutiefst betroffen".

Dass Brenner selbst die beste Quelle jüdischen Witzes in Berlin ist, hatte er vergessen. Willkommen in der Ära des Meta-Meta-Meta-Antifaschismus. Eisenman hat unterdessen Wolfgang Thierse, dem Kuratoriumsvorsitzenden versichert, dass er niemanden verletzen wollte. Nützen wird es ihm nichts. Allen Ernstes wird öffentlich die sittliche Eignung des Architekten für die Aufgabe in Zweifel gezogen. Diese Pointe könnte es mit jedem jüdischen Witz aufnehmen, folgte ihr nicht ein weltweites Höllengelächter. Ein bigotter Wettbewerb ist entbrannt, wer in Mahnmalsangelegenheiten die feierlichste Miene aufzusetzen vermag. Alle, die gelacht haben, müssten jetzt allen anderen, die gelacht haben, versichern, dass sie eigentlich nicht gelacht haben. In Fragen der moralischen Eitelkeit kann niemand Lea Rosh das Wasser reichen. Sie ist das lebende Denkmal deutscher Humorlosigkeit. Frau Rosh hat es nie verwunden, dass das Mahnmal, seit es nicht mehr ihr Projekt, sondern ein Unternehmen des deutschen Volkes ist, als riesengroße Bühne ihres Narzissmus ausgefallen ist.

Seit Jahren verpasst sie darum keine Gelegenheit, die Sache, die sie angestoßen hat, mit tief betroffener Miene zu sabotieren. Dass es gut mit dem Bau vorangeht, scheint für manche Beteiligten geradezu bedrohlich zu sein.

Die Angst vor dem Scheitern des Denkmals ist der Angst vor seiner Vollendung gewichen.