Fangquoten sind nur so wirksam, wie die Regierungen es zulassen. Theoretisch orientieren sie sich an den Empfehlungen wissenschaftlicher Gremien, die ermitteln, welche Mengen ohne Gefahr für den Fischbestand gefangen werden können. Für die Gewässer der Europäischen Union ist der Internationale Rat für Meeresforschung in Kopenhagen zuständig. Er fordert seit Jahren den Schutz des Dorschs in der Ostsee. Die Empfehlung für 2004: höchstens 13 000 Tonnen. Die Fischereiminister in Brüssel setzten jedoch 32 000 Tonnen fest. Gegenüber den Vorjahren ist das zwar ein Rückgang - aber immer noch mehr als empfohlen.

Auf hohe Fangquoten drängen in der EU vor allem die "Friends of Fishing": so bezeichnen sich Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Spanien und Portugal. In diesen Ländern sichert die Fischerei Arbeitsplätze, Wählerstimmen und Wirtschaftskraft. In Griechenland etwa hat sie einen Anteil von rund sechs Prozent am Bruttoinlandsprodukt - der EU-Durchschnitt liegt bei einem Prozent. Insider verspotten die "Friends of Fishing" wegen ihres Verhaltens auch gerne als "Friends of Over-Fishing".

Quoten haben noch einen Nachteil: Sie gelten nur innerhalb der 200-Meilen-Zone vor der Küste eines Landes. Dort dürfen die jeweiligen Staaten die ökonomische Nutzung des Meeres regeln. Weiter draußen, in internationalen Gewässern, gilt die "Freiheit der Meere".

Um die zunehmende Überfischung der internationalen Gewässer zu stoppen, hat die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen vor neun Jahren einen "Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei" entwickelt. Aber auch er bleibt eine unverbindliche Erklärung.