Wenn Nachruhm politischer Selbstzweck wird, stören aktuelle Fragen. "Da müssen Sie auf meine Memoiren warten", antwortete Joschka Fischer in der FAZ. Wir bringen sie exklusiv vorab:

Bereits als Kind im Schwäbischen beschloss ich, dereinst meine Memoiren zu schreiben. Da sich in der württembergischen Provinz nichts Erinnerungswürdiges abspielte, ging ich als junger Mann nach Frankfurt am Main, wo eine spontaneistische Weltrevolution bevorstand. Kaum hatte ich mich an deren Spitze gesetzt, musste ich sie wegen der heftigen hedonistischen Neigungen meiner Straßenkämpfer absagen. So entschloss ich mich, als Turnschuhminister in Wiesbaden Atomkraftwerke zu verhindern und Jutta Ditfurth aus der grünen Partei zu vergraulen.

Nachdem ich im Bundestag dessen Präsidenten ein Arschloch genannt hatte, zog ich einen dunklen Anzug an und nahm als deutscher Außenminister Europas Einigung in Angriff. Schon bald wurde ich unter dem Spitznamen "Kerneuropa" berühmt, ging dann aber als Vordenker eines Großeuropa mit allerlei geschickt aneinander gereihten und übereinander geschichteten Säulen ins Buch der Geschichte ein. Derweil ließ ich meinen Freund Gerd Schröder Deutschland modernisieren. Nach Abschluss dieses historischen Werks irgendwann zwischen 2004 und 2006, so genau erinnere ich mich nicht mehr, half ich kurz als UN-Generalsekretär aus und ging dann, der ich meine katholischen Wurzeln entdeckt hatte, als erster grüner Papst nach Rom. Doch was sollen mir Ämter und Titel! Wo ich doch sowieso schon ich bin, ich Joschka.