Gute Forschung braucht viel Zeit, schlechte Bürokratie noch mehr davon. Lange übt man sich hier wie dort in Geduld. Doch dann geraten die Systeme unter Druck – und dabei aneinander. Jüngste Ursache für eine solche Kollision ist das längst überfällige neue Gesetz, das den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen und Produkten regeln und laut EU bereits seit Oktober 2002 in Kraft sein sollte. Nach langem internen Streit hat die Bundesregierung einen Entwurf erarbeitet und ihn Mitte Januar den Forschungsorganisationen zur Stellungnahme vorgelegt.

Nun kommt die Antwort – und sie ist vernichtend. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) warnt, der Gesetzentwurf schränke "die Freiheit der Forschung erheblich ein". Statt Chancen und Risiken der Gentechnik abzuwägen, enthalte der Entwurf "nahezu ausschließlich Vorschriften im Interesse der Gefahrenabwehr", ohne deren Notwendigkeit zu belegen. Durch "unverhältnismäßige Auflagen" werde die Nutzung der grünen Gentechnik in Landwirtschaft und Forschung de facto ausgeschlossen. In das gleiche Horn stieß am vergangenen Samstag die traditionsreiche Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina: "Notwendige Forschungen in der grünen Gentechnik werden behindert oder verhindert." Der Gesetzentwurf enthalte ein "Übermaß bürokratischer Auflagen" und "kaum zu erfüllende Haftungsansprüche". Dies widerspreche den Leitlinien der Regierung zur Innovation.

Kein Wunder. Gerhard Schröder hat Bioböcke zu Gengärtnern gemacht, als er dem Verbraucherschutzministerium die Gentechnik überantwortete. Dort fördert man die Biolandwirtschaft, bekämpft chemischen Pflanzenschutz und Gentechnik. Dies gefällt zwar vielen Verbrauchern. Doch Forschungspolitik ist hier so deplatziert wie Industriepolitik im Familienministerium. Emsig behindert das Künast-Ministerium seine Genforscher in der Tier- und Pflanzenzucht (ZEIT Nr. 50/03). Auch Jürgen Trittins Bundesamt für Naturschutz kann künftig Forschungsprojekte stärker ausbremsen. Und in die umgebaute Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit ziehen politisch berufene Laien ein.

Am liebsten würde Rot-Grün aus der grünen Gentechnik aussteigen. Doch mit bürokratischen Bremsmanövern allein lässt sich die Zukunft nicht gewinnen.