Unterm Mikroskop könnte Edmund Stoiber ein Abbild seiner eigenen Partei sehen. Das jedenfalls behaupten zwei bayerischstämmige Physiker. Ihrem Modell zufolge, das sie diese Woche auf der Jahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Regensburg präsentierten, verhalten sich Parteimitglieder und Wähler ganz ähnlich wie mikroskopische Magneten in einem Festkörper.

Man muss sich die bayerische Bevölkerung nur vorstellen wie aneinander gereihte Stabmagnete – so genannte Spins. Weist ein Magnet nach oben, wählt der Betreffende CSU, Spin-down wählt SPD. In diesem Modell ist die politische Meinungsbildung ganz einfach: Zeigen zwei benachbarte Magneten zufällig in dieselbe Richtung, neigen auch die Nachbarspins dieser Orientierung zu. Ein von außen angelegtes Magnetfeld – die Bundespolitik – kann den Spin zusätzlich beeinflussen.

Leider weisen bald alle Magneten in dieselbe Richtung – Diktatur. Die Polit-Physiker führten darum neue Parameter ein: opportunistische Spins, die sich stets nach der Mehrheit orientieren, und oppositionelle Spins, die sich, so die Forscher, "wie die Jusos" verhalten. Und siehe da, schon entsteht ein demokratisches System mit wechselnden Mehrheiten.

Damit lässt sich auch das Superwahljahr berechnen. Das Modell zeigt: Verliert eine Partei zweimal in Folge Wählerstimmen, sinken die Mitgliederzahlen, und umgekehrt. Für die Parteien folgt daraus, physikalisch zwingend: Wahlen sollte man gewinnen.

Erklärt das den Erfolg der CDU? Immerhin ist einer der Wahlforscher in der Jungen Union aktiv. Auch Angela Merkel hat Physik studiert. Versteht sie sich daher so gut auf politische Spins? Um den derzeitigen Trend umzukehren, müsste die SPD wohl Festkörperphysik pauken. Vermutlich aber hält es Schröder eher mit der Quantenmechanik – für den Quantensprung.