Keine Vorurteile, bitte! Und schon gar keine Vorverurteilungen! Trotzdem, irgendwie überrascht einen die Sache nicht. Sagen wir so: Der Mann macht einfach keinen besonders vertrauenswürdigen Eindruck.

Die Rede ist von Karl-Heinz Wildmoser, dem massigen, schnauzbärtigen und allmächtigen Münchner Fußballpräsidenten, der einst als linker Verteidiger bei der TSG Pasing anfing, seine Karriere als "singender Gastwirt" fortsetzte, zum Großgastronom mit eigenem Wies’n-Festzelt aufstieg und 1999 die CSU bei der Wahl des Bundespräsidenten vertreten durfte. Als sein Verein, 1860 München, in die Bundesliga kam, lobte Wildmoser den damaligen Stürmer Peter Pacult: "Mit Pacult hätten wir sogar den Zweiten Weltkrieg gewonnen." Nun sitzt Wildmoser in Haft.

Die Rede ist aber auch vom neuen Münchner Fußballstadion, der "Allianz-Arena", die blau leuchten wird, wenn dort 1860 spielt, und rot, wenn die Bayern auflaufen. 280 Millionen Euro kostet der Sporttempel; ein Prozent davon, also 2,8 Millionen Euro, soll Wildmoser als Bestechungsgeld von einer Baufirma kassiert haben. Das wäre nicht unüblich, bei Bauvorhaben dieser Größenordnung wird auch in Deutschland gut und gern geschmiert. Indes, das Ganze ist in diesem Fall dann doch ein wenig peinlich. Schließlich soll in der Münchner Arena 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet werden. Man stelle sich das vor: Die Welt schaut nach Deutschland – und Karl-Heinz Wildmoser hält die Hand auf. Das haben wir nun wirklich nicht verdient! Immerhin, der Bundespräsident wird in diesem Jahr wohl ohne Wildmoser gewählt.