Russlanddeutsche gelten im Sinne des Artikels 116 GG als Deutsche. Ihr Rechtsanspruch basiert auf dem Bundesvertriebenengesetz und dem Kriegsfolgenbereinigungsgesetz von 1993. Nicht "Blutszugehörigkeit", wie oft behauptet, begründet das Recht auf Zuzug in die Bundesrepublik, sondern historische Verantwortung: weil die Russlanddeutschen als Gruppe, in der Folge von Hitlers Überfall auf die Sowjetunion, seit 1941 aus ihren Siedlungsgebieten hinter den Ural verschleppt wurden, Zwangsarbeit leisten mussten und gewaltsamer Assimilierung unterworfen waren.

Der Exodus der Russlanddeutschen aus der UdSSR gehört in den Kontext der Wende in Europa. Er setzte mit Gorbatschows neuem Passgesetz 1986 ein. 1989 waren es 100.000 Ankömmlinge, auf dem Höhepunkt der Ausreisewelle, Mitte der neunziger Jahre, mehr als 200.000 pro Jahr. Danach, gebremst durch eine Quote, jährlich etwa 100.000, Tendenz fallend. 2003 waren es noch 72.000. Anfangs überwog der Anteil der Deutschstämmigen, heute sind etwa drei Viertel der Ausreisenden nichtdeutsche Familienangehörige.

Die Gesetze, die über die Anerkennung als "Spätaussiedler" entscheiden, sind immer restriktiver geworden. Wichtigste Maßnahme war 1997 die Einführung eines Sprachtests, den jeder Antragsteller, zusätzlich zum Nachweis der deutschen Herkunft, bestehen muss. Mit dem geplanten neuen Zuwanderungsgesetz sollen die Sprachtests auch auf die nichtdeutschen Erwachsenen ausgedehnt werden.

Auch wenn sie einen deutschen Pass besitzen, haben die meisten der Russlanddeutschen mehr oder weniger große Anpassungsprobleme. Sie sind Immigranten – mit 2,4 Millionen die größte Minderheit in Deutschland, noch vor den Türken. Sie stellen eine vergleichsweise junge Bevölkerungsgruppe dar, und weil sie nicht wählerisch sind, sind die Russlanddeutschen seltener arbeitslos als alteingesessene Bundesbürger. Einem kleinen Teil, jungen Männern vor allem, ist die Integration nicht gelungen; einige von ihnen sind bedrohlich ins Abseits geraten und mit Gewalt- und Diebstahldelikten, mit Drogen- und Alkoholexzessen auffällig geworden.