Wer das Beste auf dem Kunst- und Antiquitätenmarkt sucht, fährt im März nach Maastricht zur Tefaf. Unumstritten ist The European Fine Art Fair auch bei ihrer 17. Wiederkehr das edelste Pflaster, auf das Museumsleute, Kuratoren und Sammler aus der ganzen Welt strömen. Was die 203 Händler aus 14 Ländern für den diesjährigen Auftritt im Vorfeld bei prominenten und weniger beachteten Auktionen oder über private Akquisen an Land gezogen haben und nun teils gereinigt, restauriert und aufgemöbelt und zu meist kräftig erhöhten Preisen auf dem goldenen Tablett servieren, ist unbestritten Spitze.

Selbstbewusst gibt der Messe-Aufriss eine Orientierung längs der Prachtstraßen der Welt vor. Wer sich per Handy an der "Fifth Avenue" verabredet, interessiert sich wahrscheinlich für die Riesenklunker von Cartier oder Graff. An den "Champs-Elysées" sind die Altmeister- und Orienthändler aufgereiht, und auf dem "Trafalgar Square" präsentieren sich die klassische Moderne und die Zeitgenossen. 28000 Besucher kamen in den ersten vier Tagen, das waren elf Prozent mehr als im Vorjahr und keineswegs ein Schaupublikum. "Die Geschäfte gehen wieder so gut wie vor dem 11. September", war an dem einen oder anderen Stand zu hören.

Bei Rob Noortmann (Maastricht) wurden beim Auftakt bereits 16 Gemälde verkauft, darunter eine Flusslandschaft von Salomon von Ruysdael, eine Venedig-Ansicht von Félix Ziem, ein Stillleben von Pieter Claesz und eine weitere Nature morte von Balthasar van der Ast an das Currier Museum of Art in New Hampshire. Johnny van Haeften (London) veräußerte gleich bei der Vernissage sein Prunkstück, das Porträt eines feinen Mannes von Frans Hals, etwa um 1643.

Der Auftritt der Pariser Galerie Canesso mit Zeichnungen und Gemälden des Hauptvertreters der Genueser Spätrenaissance Luca Cambiaso (Preisspanne von 500000 bis 2,2Millionen Euro) in einem achteckigen blau-violetten Kabinett verfehlte seine Wirkung nicht. Das Museo di Palazzo Bianco in Genua erwarb ein Gemälde des berühmten Sohnes der Stadt. Ein texanisches Museum übernahm die Cambiaso-Darstellung einer Madonna mit Christus und Johannes dem Täufer als Kinder.

Auch die derzeit nicht gerade mit üppigen Finanzmitteln gesegneten deutschen Museen waren an der Maas vertreten, darunter das Städelsche Kunstinstitut Frankfurt, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und die Gemäldegalerie Berlin, die meisten von ihnen als Zaungäste. Das Germanische Nationalmuseen in Nürnberg jedoch leistete sich bei Frank C. Möller (Hamburg) ein Tischchen aus der Werkstatt Abraham und David Roentgen, um 1765/68. In einem anderen deutschen Museum, das seine Neuanschaffung noch nicht publik machen möchte, wird man demnächst das Gemälde Dans la Rue von Georges Seurat wiedersehen, das Salis & Vertes (Salzburg) mitgebracht hatte.

Wer keine Spezialinteressen verfolgt, kann auf der Tefaf in Objekten aus vier Jahrtausenden schwelgen. Ein paar Schneisen in diese Wunderkammer schlägt der neue Hauptsponsor Axa Art. Er bietet Führungen in mehreren Sprachen an. Mehr als 1000 Niederländer und Belgier und 700 deutschsprachige Besucher haben sich spontan bei den Kunsthistorikern der Kunstversicherung angemeldet. Dabei kann es vorkommen, dass der Antiquar Heribert Tenschert (Bibermühle AG, Schweiz) mal ein zwei Millionen Euro teures "Erbauungstraktat" mit 21 ganzseitigen Miniaturen aus der Hand des Meisters des Bartholomäus-Altars von 1508 aus der gläsernen Vitrine nimmt und vor den Augen einer kleinen Gruppe Seite um Seite umblättert.

Sich auf eine so geschlossene Präsentation wie die Begegnung von Rembrandt und Adriaen van Ostade bei Helmut H. Rumbler (Frankfurt) einzulassen ist in dem überbordenden Angebot der Messe ein konzentrierender Genuss. Bei Rumbler findet sich mit 1,7 Mio Euro das teuerste grafische Blatt der Messe, Rembrandts Christus dem Volke vor gestellt (1655), eine große querformatige Kaltnadelradierung aus dem einstigen Besitz des British Museum. Immer besser ausgebaut zeigt sich auch die Abteilung der zeitgenössischen Kunst. Ansteckend gute Laune verbreiten die quadratischen Bilder in vier Versionen und 14 Farben mit schwarzweißen umherschwärmenden Fischen We swam amongst the fishes von dem 1958 geborenen Engländer Julian Opie, zu sehen bei der erstmals eingeladenen Londoner Galerie Alan Cristea – für 2700 Euro sicher eines der günstigsten Angebote auf der Tefaf (bis zum 14.März, www.tefaf.com ).